Weniger Zucker in Fertignahrungsmitteln vereinbart

Mittwoch, 17. Oktober 2018 - 16:15
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Julia Klöckner, CDU, hat einen freiwilligen Pakt mit der Lebensmittelindustrie geschlossen, Zucker, Salze und Fette in Fertigprodukten zu reduzieren. (Foto: CDU Rheinland-Pfalz)

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner unterzeichnet Grundsatzvereinbarung mit Wirtschaftsverbänden. Foodwatch hat Abkommen zum Scheitern verurteilt.

Weniger Zucker, Fette und Salz in Fertiglebensmitteln ist das Ziel der Reduktions- und Innovationsstrategie von Ernährungsministerin Julia Klöckner. Die Bundeslandwirtschafts- und Verbraucherministerin Julia Klöckner ist in mehreren Runden Tischen mit Wirtschaft, Wissenschaft, Gesundheits- und Verbraucherseite das Thema und die Zielsetzung des Koalitionsvertrages angegangen. Ein wichtiges Zwischenziel ist nun die Grundsatzvereinbarung, die die Ministerin mit der Ernährungswirtschaft schriftlich geschlossen und unterzeichnet hat. Solch eine Vereinbarung hat es nach Angaben des Ministeriums so noch nicht gegeben. 

Dazu erklärt die Politikerin: "Mein Ziel ist es, die Häufigkeit von krankmachendem Übergewicht und ernährungsbedingten Krankheiten in Deutschland zu senken. Es ist gut, dass die teilnehmenden Wirtschaftsverbände sich nun in einer Grundsatzvereinbarung bereit erklärt haben, Maßnahmen und Ziele zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten festzulegen, die bis zum Jahresende konkretisiert werden. In den kommenden Wochen und Monaten müssen jetzt konkrete branchen- beziehungsweise produktbezogene Prozess- und Zielvereinbarungen folgen. Bis Ende des Jahres wird ein gemeinsam abgestimmtes Konzept vorliegen. Die Wirtschaft erkennt erstmals an, Teil der Lösung des Problems Übergewicht zu sein."

Ernährungsindustrie verpflichtet sich ab 2019 Zucker, Fett und Salz zu reduzieren

Die Ernährungsindustrie verpflichtet sich, ab 2019 den Gehalt an Zucker, Fetten und Salz in ihren Fertiggerichten zu reduzieren. Anerkennung sollen dabei auch Initiativen und Aktivitäten finden, die von Seiten der Lebensmittelwirtschaft bereits in den vergangenen Jahren geleistet worden seien. Ein erfolgreiches Modell für eine solche Selbstverpflichtung stelle die erhebliche Reduktion von Transfettsäuren in Lebensmitteln dar, die über eine freiwillige Vereinbarung der Lebensmittelwirtschaft mit dem Bundesministerium erreicht werden konnte, heißt es laut Ministerium.

Die Umsetzung ab 2019 wird durch ein Monitoring und ein übergeordnetes Beratungsgremium begleitet, in dem auch die Wissenschaft, Verbraucherorganisationen, Krankenkassen und Fachgesellschaften aus dem Gesundheitsbereich beteiligt sind. Schon im Herbst 2019 soll dem Gremium ein erster Fortschrittsbericht vorgelegt werden. Bis 2025 sollen die in den Prozess- und Zielvereinbarungen festgelegten Zielmarken erreicht werden. Da Übergewicht im Kinder- und Jugendalter mit ernährungsbedingten Krankheiten im Erwachsenenalter assoziiert ist, sollen Maßnahmen bei speziell an Kinder und Jugendliche gerichteten Lebensmitteln eine besondere Priorität haben.

Foodwatch erklärt Vereinbarung zum Scheitern

Die Antwort von Foodwatch auf die Vereinbarung Klöckners mit der Lebensmittelindustrie ließ nicht lange auf sich warten. So hat die Verbraucherorganisation die Grundsatzvereinbarung von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner mit Branchenverbänden zur Reduktion von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln scharf kritisiert. Statt die Industrie endlich in die Pflicht zu nehmen setze die Ministerin nur auf Freiwilligkeit. Ein solcher „Kuschelkurs mit der Lebensmittelwirtschaft“ sei zum Scheitern verurteilt, erklärte die Verbraucherorganisation. „Es ist geradezu lächerlich, was Frau Klöckner als großen Wurf verkauft. Offenbar denkt die Ministerin, sie muss nur möglichst dünne Strategiepapiere vorlegen und die Menschen nehmen automatisch ab", kritisiert Luise Molling von Foodwatch. Die sogenannte Grundsatzvereinbarung überlasse es den Unternehmen selbst, welche Zielvorgaben sie sich setzen, um eine gesunde Ernährung zu fördern. Kinderärzte, Krankenkassen und die Weltgesundheitsorganisation hätten seit Jahren effektive Maßnahmen gegen Fehlernährung wie eine farbliche Nährwertkennzeichnung, gesetzliche Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung und auch steuerliche Anreize für gesündere Rezepturen gefordert. "Anstatt auf die Experten zu hören, schlägt sich Frau Klöckner auf die Seite der Zucker-Lobby", wettert Molling.

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