„Welthopfen- und Weltbiermarkt 2019 nicht einheitlich“

Dienstag, 23. Juli 2019 - 10:45
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Die Freihopfenpreise der Ernte 2018 bewegten sich bei fast allen Sortensegmenten auf sehr hohem Niveau. (Foto: GZ)

Die Barth-Haas Group aus Nürnberg hat ihren Bericht „Hopfen 2018 / 19“ veröffentlicht. Darin untersuchen die drei Familienmitglieder Stephan, Alexander und Regine Barth den Hopfen-Weltmarkt und analysieren darauf basierend die deutsche Braulandschaft. Berichtszeitraum ist 1. Juni 2018 bis 31. Mai 2019.

Es seien Zeiten des weltpolitischen Umbruchs. Vor allem der Brexit bewegt die unternehmerischen Gemüter in Europa. „Unglücklicherweise“, so heißt es im Bericht, „hat das Parlament in einer ganz Europa betreffenden Schlüsselfrage jegliche Entschlussfähigkeit vermissen lassen.“ Angesichts zunehmender Handels- und Finanzkrisen sei die globale Wirtschaftsleistung 2018 weniger dynamisch gewachsen als ursprünglich prognostiziert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Weltwirtschaft 2018 stieg um 3,6 Prozent nach 3,8 Prozent im Vorjahr. Deutlich schwächer zeigte sich das BIP der Eurozone mit 1,8 Prozent gegenüber 2,4 Prozent im Jahr 2017, wesentlich beeinflusst von Deutschland mit 1,5 Prozent (2017: 2,5 Prozent) und Frankreich mit 1,5 Prozent (2017: 2,2 Prozent).

Dann geht der Barth-Bericht auf den Weltbierausstoß 2017 / 18 ein. Vorneweg: Seit dem Zweiten Weltkrieg sei der Weltbierausstoß nicht mehr so stark zurückgegangen wie 2018 im Vergleich zum Vorjahr. Im Einzelnen: Deutschland liegt im Jahr 2018 mit 93,652 Millionen Hektolitern weltweit auf Platz 5. Dieser Platz bedeutet gleichzeitig, dass Deutschland in Europa vor Russland (77,470 Millionen Hektoliter) den größten Bierabsatz hat.

Chinas Bierausstoß schrumpft um 60 Millionen Hektoliter

Knapp 90 Prozent der Weltbierproduktion von rund 1,9 Milliarden Hektolitern entfallen auf die 40 größten Brauereigruppen. Die größten fünf Gruppen stehen dabei allein für rund 60 Prozent.

Rang 1 weltweit belegt nach wie vor China mit 381,200 Millionen Hektoliter Ausstoß im Jahr 2018. Beachtlich hier: Der Ausstoß in China ging im Vergleich zum Jahr 2017 um satte 60 Millionen Hektoliter zurück, was natürlich Auswirkung auf die weltweite Gesamt-Ausstoßmenge hat.

Es folgen die USA mit 214,607 Millionen Hektolitern, Rang 3 belegt Brasilien (141,379 Mio. hl) vor Mexiko auf Rang 4 mit 119,800 Millionen Hektolitern Ausstoß Bier im Jahr 2018. Insgesamt schrumpfte der weltweite Bierausstoß von 1.942.402 Milliarden Hektolitern im Jahr 2017 auf 1.904.602 Milliarden Hektoliter 2018. „Der Bierausstoß 2018 liegt weltweit immer noch bei rund 1,9 Milliarden Hektolitern, aber dahinter verbergen sich sehr unterschiedliche Entwicklungen in einzelnen Ländern“, sagt Stephan Barth, Geschäftsführender Gesellschafter von Joh. Barth & Sohn. Erfreulich sei laut Barth die Entwicklung in Europa mit einem Zuwachs um rund 2 Prozent, in Amerika mit einem Plus von einem Prozent und Afrika mit fast 2 Prozent.

Radeberger-Gruppe hält die deutsche Fahne hoch

In der Rangliste der 40 größten Brauereien weltweit (Stichtag 31. Dezember 2018) führt AB Inbev. Laut dem Barth-Bericht stieß das Unternehmen aus Belgien im Jahr 2018 weltweit 567,0 Millionen Hektoliter aus. Das sind satte 29,8 Prozent Anteil an der Welt-Bierproduktion. Auf Rang 2 folgt mit großem Abstand Heineken mit 233,8 Millionen Hektolitern Bierausstoß – immerhin noch 12,3 Prozent Anteil am Gesamtbierausstoß weltweit. Aus deutscher Sicht interessant: Die Radeberger-Gruppe belegt in dieser Liste einen beachtlichen 21. Rang: 11,8 Millionen Hektoliter Bierausstoß stehen hier 2018 zu Buche, das entspricht 0,6 Prozent Anteil an der Welt-Bierproduktion. Diese deutschen Brauunternehmen folgen auf den Plätzen: Rang 26: TCB Beteiligungsgesellschaft mbH (8,6 Millionen Hektoliter / 0,5 Prozent Anteil an der Welt-Bierproduktion), Rang 27 Oettinger (8,5 Mio. hl / 0,4 %), Rang 30: Bitburger Braugruppe (6,6 Mio. hl / 0,3 %), Rang 31: Krombacher (6,3 Mio. hl / 0,3 %), Rang 32: Paulaner Brauerei Gruppe (6,0 Mio. hl / 0,3 %), Rang 37: Warsteiner (4,0 Mio. hl / 0,2 %). Die sieben deutschen Brauereigruppen unter den Top 40 weltweit haben einen Marktanteil von weltweit 2,7 Prozent.

Welthopfen- und -biermarkt 2019 nicht einheitlich

„Der Weltbier- und der Welthopfenmarkt sind 2018/2019 durch unterschiedliche Entwicklungen gekennzeichnet“, resümiert Stephan Barth. Auf der einen Seite sei die Anbaufläche weltweit mit rund 60.400 Hektar so groß wie noch nie seit 1997. Gleichzeitig seien aber Erträge und Alphawerte leicht unterdurchschnittlich ausgefallen. Dieser negativen Entwicklung, so Barth, stehe eine steigende Hopfennachfrage gegenüber, da weniger gehopfte Mainstreamvarianten an stark gehopfte Biere Marktanteile abgäben. Der geschätzte Alphabedarf steige auf bisher nicht bekannte Höhen, obwohl die Weltbierproduktion sich seit dem Braujahr 2014 rückläufig entwickelt habe. „Insgesamt sehen wir den Hopfenmarkt eher als unterversorgt. Das belegen nicht zuletzt die anhaltend hohen Freihopfenpreise, sowohl bei den Aroma- als auch bei den Bittersorten“, sagt Barth.

Deutschland und die USA dominierten mit insgesamt 72 Prozent Marktanteil an der Hopfenanbaufläche den Weltmarkt in noch größerem Maße als bisher. Der Anteil beider Länder an der Welthopfenmenge (77 Prozent) bzw. Alphamenge (83 Prozent) spreche eine noch deutlichere Sprache. Die immer stärkere Dominanz der USA zeige sich sowohl in der Hopfenanbaufläche als auch in der Vielfalt der angebauten Hopfensorten. So würden in den USA inzwischen 87 verschiedene Sorten angebaut, davon allein 36 aus privaten Firmenzüchtungsprogramm. Sieben US-Sorten gehörten inzwischen zu den ‚Big-Eight‘ Aroma-/Flavoursorten, also den Sorten, die für geschmacksintensive, kalt gehopfte Biere nahezu unverzichtbar seien. Nummer 8 in der Liste sei eine australische Sorte.

Versorgungsknappheit beim Bitterhopfen

„Der Hopfenmarkt hat dennoch auch in den USA einige Probleme. Während es bei einigen Aromasorten ein Überangebot gibt, herrscht bei Bitterhopfen eine Versorgungsknappheit. Wenn sich die Ernte 2019 normal entwickelt, sollten der Brauindustrie aus dieser Ernte ausreichend Bitterhopfen zur Verfügung stehen“, sagt geschäftsführende Gesellschafter von Joh. Barth & Sohn.

Der Weltmarkt sei für die kommende Ernte zu einem sehr hohen Anteil vorkontrahiert. Bei vielen Sortensegmenten nähere sich durch die stetigen Anbauflächenausweitungen der letzten Jahre die Sättigungsgrenze. Die Freihopfenpreise der Ernte 2018 bewegten sich bei fast allen Sortensegmenten auf sehr hohem Niveau. Dies wirkte sich wiederum auf den Kontraktmarkt aus. Sowohl in Deutschland wie auch in den USA wurden in den letzten Jahren Verträge zu guten Konditionen mit langen Laufzeiten abgeschlossen. „Die daraus resultierende Stabilität ist ein unverzichtbares Fundament, damit die im Zuge der notwendigen Flächenexpansion erforderlichen Investitionen in Infrastruktur und Qualität überhaupt erst angegangen werden konnten.“

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