Wasserversorgung nimmt dramatisch an Bedeutung zu

Donnerstag, 13. August 2020 - 11:30
Alle anderen relevanten Facetten der Ressource Wasser werden der internationalen Brau-, Getränke- und Liquid-Food-Industrie vom 04. bis 08. Oktober 2021 auf der Weltleitmesse drinktec aus erster Hand vorgestellt. (Foto: Pixabay)

Die Wasserversorgung und das -management in der Brau-, Getränke- und Liquid-Food-Industrie gewinnt künftig noch stärker an Bedeutung. Dies hat die Weltleitmesse für die Getränke- und Liquid-Food-Industrie, Drinktec, in einer Analyse vermeldet. Die Aussichten sind dramatisch. Schon heute leben nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) über zwei Milliarden Menschen in Ländern mit hohem Trockenstress beziehungsweise Wassermangel. Etwa vier Milliarden Menschen erleben schwere Wasserknappheit für den Zeitraum von mindestens einem Monat pro Jahr. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Wasser und der zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels prognostiziert die UN einen weiter steigenden Stressgrad.

Länder mit der größten Wasserknappheit

Wo auf der Erde Wasser im Jahr 2040 beziehungsweise 2050 fehlen wird, haben nach Angaben der Drinktec das World Resources Institute und die Future Directions International Pty Ltd. Berechnet. So werde besonders in Asien Wasser in Zukunft von noch größerer Bedeutung sein: Laut der Prognose liegen 14 der 33 Länder, die künftig unter Wassermangel besonders leiden werden, im Nahen Osten. Als außerordentlich gefährdet gelten Bahrain, Kuwait, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel. Weitere betroffene Regionen sind der Nordwesten Chinas, der Norden und Osten Indiens sowie die Türkei, Syrien, Iran und der Irak. In Europa dürfte das Wasser vor allem in Spanien und Griechenland knapp werden, in Afrika ist primär der Norden des Kontinents von Wassermangel bedroht. In Amerika sind es vor allem Chile und Peru. Auch in Nordamerika droht die Ressource knapp zu werden. Schon jetzt zeichnet sich beispielsweise im US-Bundesstaat Kalifornien ab, wie unsicher der Zugang zu ausreichend Wasser ist. In Australien sind Waldbrände die Folge anhaltender Trockenheit in den Sommermonaten.  

Die Forscher nennen aber auch Regionen im nördlichen Nordamerika, in Eurasien und Indien, die im Zuge des Klimawandels im Prognosezeitraum auf größere Wasserreserven zugreifen können. Als Gründe werden unter anderem regional auftretende starke Regenfälle, die abschmelzenden Gletscher und Polkappen genannt.

Sinkendes Angebot, steigende Nachfrage, hoher Verbrauch

Für die globale Brau- und Getränkeindustrie sei diese Entwicklung laut Drinktec von „fundamentaler Bedeutung“ – sei Wasser doch ihr wichtigster Grundstoff. Als Brauchwasser, Energieträger oder für Reinigungsprozesse erfülle Wasser in der Produktion zudem viele weitere Funktionen. Entsprechend wichtig sei der sinnvolle und sparsame Einsatz der Ressource in allen Prozessschritten.

Die künftigen Rahmenbedingungen lassen nach laut einer Studie der Beverage Industry Environmental Roundtable (BIER) ein sinkendes Angebot bei steigender Nachfrage und hohem Verbrauch erwarten. In der Produktion von Getränken und flüssigen Lebensmitteln werde eine umfassende Betrachtung des Einsatzes der Ressource Wasser somit noch notwendiger. Dafür gibt es viele gute Gründe: Erstens verursacht jeder Liter Wasser und Abwasser Kosten, mit steigender Tendenz. Zweitens streben die großen Konzerne weltweit an, standardisiert zu produzieren – Thema Wasserdesign. Drittens müssen aufgrund von Wasserknappheit oder zum Schutz der Tiefenwässer neue Wasserquellen gesucht und verarbeitet werden. Viertens ist Wasser Teil der unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung (Corporate Social Responsibility). Und nicht zuletzt beeinflusst der schonende Umgang mit Ressourcen längst die Kaufentscheidung des Konsumenten sowie die Genehmigungsverfahren für Neu- und Erweiterungsinvestitionen.

Zunehmende Forderung nach rückstandsfreien Wässern

Parallel werden für Tafel-, Brau-, Ausmisch- und Verdünnungswässer immer häufiger rückstandsfreie Wässer gefordert. Keine unerwünschte Substanz darf mit der modernen Analytik nachweisbar sein, unabhängig davon, aus welcher Quelle das Wasser stammt. Eine immense Herausforderung in Zeiten, in denen selbst das Grundwasser beispielsweise mit Arzneimittelrückständen sowie Herbiziden wie Atrazin und dem Dauerbrenner Nitrat angereichert sein kann. Hinzu kommen immer neue oder strengere Grenzwerte, wie zum Beispiel für Uran, Bromat oder perfluorierte Verbindungen. //pip

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