Von Franken in die weite Welt

Dienstag, 30. April 2019 - 16:30
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v.l.n.r.: Regine, Stephan, Alexander Barth (Foto: GZ / ja)

Die Barth-Haas Group hat ihren neuen Campus offiziell vorgestellt – 225 Jahre nach Gründung des Unternehmens. Die Gesellschafter Stephan, Alexander und Regine Barth höchstpersönlich taten dies.

Stephan Barth begann mit dem Jubiläum. Es sei bei Weitem keine Selbstverständlichkeit, dass es die Firma, die aktuell rund 770 Menschen weltweit beschäftigt, noch gebe, sagte er. Was im Jahr 1794 als Kurzwarenhandel mit angeschlossenem Hopfenhandel begann, ist heute eine international aufgestellte Unternehmensgruppe.

Nur mit Leidenschaft, Veränderungsbereitschaft – und Glück sei es möglich gewesen, in 225 Jahren vom kleinen fränkischen „Nebenerwerbs-Hopfenhändler“ zum weltweit aktiven Geschmacksexperten für beste Biere zu werden Ende des 19. Jahrhunderts belieferte Barth rund 400 Brauereien im In- und Ausland. In dieser Zeit gründeten die Vorfahren Niederlassungen in Saaz, Straßburg und New York. In den 1970er Jahre war aus dem Kurzwaren- und Hopfenhändler aus dem beschaulichen Betzenstein inzwischen der europäische Branchenführer geworden.

1977 wurde der Grundstein für die heutige Barth-Haas Group gelegt, als Joh. Barth & Sohn zusammen mit einem Partner John I. Haas in den USA kaufte. 1914 gegründet, besitzt und betreibt John I. Haas im Nordwesten der USA eigene Hopfenfarmen, Lagerhäuser, Pellet-, Extraktions- und Downstream-Produktionsanlagen. John I. Haas ist aber vor allem Hopfensortenzüchter, Versuchsbrauer und Innovator. Es folgte Australien: Hop Products Australia (HPA), mit einem Anteil von rund 90 Prozent der größte Hopfenpflanzer in Australien, wurde erworben.

„Ein riesiger Markt ist natürlich China. Dort gehört zu unserer Gruppe die Barth-Haas (Beijing) Trade Co. Ltd. Diese Handelsgesellschaft ist ausschließlich auf dem chinesischen Markt aktiv“, erklärt Alexander Barth, der in Washington DC lebt. „Unser umfassendes Portfolio wird ergänzt durch ein Kompetenzzentrum für Hopfenöle und Hopfenaromaprodukte in Großbritannien, die Barth-Haas UK Ltd.“

Regine Barth: die erste Frau an der Spitze

Regine Barth – die als erste Frau in der Geschichte des Unternehmens im Jahr 2000 Gesellschafterin neben Stephan und Alexander Barth wurde und für die eigens der Gesellschaftervertrag von 1907 geändert wurde, der eine rein männliche Erbfolge vorsah – thematisierte dann die Verarbeitungswerke, die die Firma in Deutschland betreibt, In ihren Ausführungen stand die Hopfenveredlung St. Johann GmbH im Mittelpunkt. An diesem Unternehmen hält Joh. Barth & Sohn 60 Prozent, die HVG Hopfenverwertungsgenossenschaft Wolnzach einen Anteil von 40 Prozent.

Regine Barth: „Zurzeit produzieren wir noch an zwei Standorten, in Wolnzach und in St. Johann. In Wolnzach steht die derzeit größte CO2 Hopfenextraktionsanlage. In St. Johann gibt es neben einer eigenen Forschungsbrauerei und modernsten Kühllagereinrichtungen die weltweit größte Hopfenpelletierungsanlage für Typ 45 und 90. Vom Volumen her können an beiden Standorten etwa 30 Prozent der jährlichen Welthopfenmenge verarbeitet werden.“

60 Mio. Euro für neues Werk

Da insbesondere in Wolnzach in absehbarer Zeit erhebliche Ersatzinvestitionen fällig geworden wären, haben sich die beiden Gesellschafter, die HVG Hopfenverwertungsgenossenschaft eG und die Joh. Barth & Sohn GmbH & Co. KG, 2016 entschlossen, am Standort in St. Johann eine neue Hopfenextraktionsanlage mit allen dazugehörigen Produktions- und Logistikprozessen aufzubauen. „Mit einer Gesamtinvestition von rund 60 Millionen Euro werden wir ein ganzheitliches Standortkonzept realisieren. Die Zukunft der Hopfenverarbeitung wird ab Herbst 2020 in St. Johann sichtbar werden“, sagte Regine Barth. Wolnzach werde zukünftig zum Spezialisten für die professionelle Verarbeitung aller Naturstoffe (außer Hopfen) ausgebaut, St. Johann fokussiere sich ausschließlich auf die Verarbeitung von Hopfen zu Hopfenpellets und -extrakt.

Scheitern ist auf dem Campus erlaubt

Stephan Barth formulierte: „Unsere Vision ist es, der Hopfenexperte für besten Biergeschmack weltweit zu sein.“ Weil man das hausinterne Wissen weitergeben wolle, haben die Barths beim Neubau des Firmensitzes großen Wert auf den Barth-Haas Campus gelegt, „unsere Spielwiese für Hopfen, in der wir in einer inspirierenden Geschmackswelt gemeinsam Neues kreieren“, so Stephan Barth. Der Barth-Haas Campus verbindet die Konzeptbrauerei mit dem Namen „Abrewcalypse Now“ mit einem Sensorikstudio, einer Geschmackswerkstatt, einem Tap Room und einem Tunnel der Sinne. Auf dem Campus habe die 2011 von Barth entwickelte Barth-Haas Hops Academy jetzt auch eine physische Heimat gefunden, freut man sich bei Barth-Haas. Auch das Nürnberger Firmengebäude der Gruppe wurde aufwendig saniert und erst kürzlich an die Mitarbeiter übergeben.

Verantwortlich für den Campus ist Dr. Christina Schönberger. Sie sagt: „Hier bieten wir Ausbildungsprogramme wie unseren Hop Flavourist Kurs, aber auch Kurse zum Thema Brauen für Anfänger bis hin zu Freaks, oder einen Boniteurkurs.“ Zu den weiteren Angeboten gehörten Produkt-Workshops wie der Happy Hoppy Day, sowie auf Kunden- und Lieferantenbedürfnisse zugeschnittene Veranstaltungsprogramme.

Zur Brauerei gehört ein eigenes Labor, in dem alle relevanten Basisdaten des Bieres gemessen werden können: Stammwürze, Alkoholgehalt, Extraktgehalt, CO2 und O2, pH-Wert. Darüber hinaus werden in regelmäßigen Abständen Bierproben auf Hopfenaromastoffe, die schwer zu analysieren seien, von internationalen Laboren untersucht, um die sensorischen Analysen durch chemisch-technische zu ergänzen und Korrelationen mit den Verkostungsdatensätzen festzustellen.

Die Investition in den Campus bedeute für das Unternehmen einen großen Schritt in die Zukunft. „Der Barth-Haas Campus ist ein Ort und eine Einladung zum Experimentieren, Spielen, Forschen und Ausprobieren, an dem auch Scheitern erlaubt ist“, beschreibt Schönberger die Idee des Projekts. Die Angebote des Campus stünden nicht nur Brauern und Brauereien offen, sondern auch Hopfenpflanzern, Partnerinstituten, Brauschulen, Universitäten und Forschungspartnern.

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