Pro Fachhandel digital: "Erwartungen jetzt schon übertroffen"

Donnerstag, 17. September 2020 - 10:15
Handel
Getränkehandel
Alexander Berger, Vorstandsmitglied der GES, ist voller Zuversicht, dass die Messe Pro Fachhandel, die erstmals digital veranstaltet wird, ein voller Erfolg wird. (Foto: GES)

Herr Berger, in gut einer Woche geht die Pro Fachhandel an den Start – erstmals digital aufgrund der Corona-Pandemie. Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen?

Wir befinden uns knapp eine Woche vor Beginn im Zeitplan unserer ersten digitalen Pro Fachhandel.

Warum haben Sie sich kurzfristig für dieses virtuelle Format entschieden?

Die Corona- und Hygienevorschriften der Messe Nürnberg hätten die Pro Fachhandel , inklusive unserer Abendveranstaltung als wesentliches Element, sehr eingeschränkt. Keine Messe war für uns keine Alternative. Daher haben wir uns für das Konzept einer virtuellen Messe entschieden und uns vor einigen Wochen nach professionellen Dienstleistern umgeschaut. Bei der Stuttgarter Agentur Aldinger und Wolf sind wir fündig geworden. Diese plant und gestaltet seit Jahren virtuelle Umgebungen und digitale Plattformen. Gemeinsam haben wir das Konzept einer virtuelle Pro Fachhandel  entwickelt.

Was hat den Unterschied gemacht?

Erstens hat uns deren 3-D-Konzept von Beginn an überzeugt. Hinzu kam, dass sie sich durch ihre Technik, die sie anwenden, von anderen in Frage kommenden Agenturen abgehoben haben. Die Agentur gibt es schon seit 2001 und sie hat durch ihre Arbeiten im Augmented Reality- sowie im virtuellen Bereich von sich Reden gemacht. Wir fühlen uns gut aufgehoben bei Aldinger und Wolf. Im Ergebnis setzen wir mit der Technik und dem neuen Messekonzept in der Branche und darüber hinaus neue Maßstäbe.

Erzählen Sie uns ein wenig etwas über das digitale Messe-Konzept…

Das Konzept unserer digitalen 3-D-Messe hat durchaus auch reale Elemente. Das fängt schon bei der Anmeldung an: Jeder, der sich für die Ausstellung registriert, bekommt im Vorfeld eine Goodie-Box nach Hause geschickt. Diese beinhaltet Produkte, Prospekte und Gimmicks der Aussteller. Somit steigern wir vor Start der Messe die Vorfreude beim Messebesucher. Wer packt nicht gerne Pakete aus? Unserer Wunschvorstellung entspräche es, wenn die meisten Box-Inhaber diese auf ihrem Schreibtisch aufbauen, entweder im Home-Office oder in der Firma, wo sich die Beteiligten dann darüber austauschen. So wird der digitale Messebesuch real gelebt, weil wir sie direkt in die Häuser der Besucher transportieren. Produkte können zudem im Vorfeld des Messebesuches sensorisch und haptisch wahrgenommen werden.

Sie bieten auch Tastings an, richtig?

Exakt. Das ist aus unserer Sicht ein weiteres wichtiges Element. Lieferanten bieten Verkostungen, aber auch Events, virtuell an. Der Besucher wiederum kann sich auf unserer Landing-Page (www.profachhandel.de) dafür registrieren. Die Plätze sind meist limitiert. Mit separater Paketpost erhalten die Teilnehmer dann ihr kostenloses Tasting-Kit.

Wie findet sich nun der digitale Messebesucher in der Firma oder im Home-Office auf der Messe zurecht?

Das Bild erinnert an ein Computerspiel. Der User bewegt sich innerhalb der 3D-Messe mit den W/A/S/D-Tasten in die entsprechenden Richtungen. Mit der gedrückten linken Maustaste bewegt man den Kopf bzw. die Neigung. Insgesamt gibt es acht Standard-Stände in Form eines Templates, also einer virtuellen Vorlage oder Schablone. Dort können Logos, Produktbilder und vieles mehr eingebunden werden. Der Prospektständer wird ebenso mit einem Aktionsbutton belegt, um beispielsweise PDF-Dokumente einzulesen. Ebenso gibt es einen Aktionsbutton, mit dem ich zu einer Videokonferenz gehen kann. Jeder Stand verfügt über ein Visitenkarte, das klassische „I“ für Information. Beim Anklicken sieht der Besucher, wer gerade Standdienst hat oder ob die gewünschten Ansprechpartner vor Ort da sind oder nicht. Nachdem der Visitenkartentausch vollzogen wurde, hat der Besucher die Möglichkeit, den Chatroom oder eine Konferenz zu betreten oder Termine zu vereinbaren. Die Ansprechpartner der Industriepartner werden zuvor Zeitfenster definieren, so dass der Besucher weiß, wann er sich einen Videokonferenztermin buchen kann.

 

Auf welcher Ebene wird kommuniziert, über ein Chatfenster oder über Konferenzprogramme wie Teams oder Zoom?

Die Videokonferenztechnik kann u.a. MS-Teams oder Zoom sein. Darüber bestimmen die jeweiligen Industriepartner. Alternativ kann man den Chatroom nutzen.

Worin liegt nun konkret der USP?

Abgesehen von der überzeugenden 3D-Technologie sind auf unserer Messe knapp 10 individuell erstellte Stände. Darin wurden die zentralen Elemente des jeweiligen Marketing-Mix berücksichtigt. Diese Stände können die Industriepartner, wie z.B. Red Bull, Jägermeister, Pernod Ricard oder Diageo auch anderweitig nutzen, nicht nur für die Pro Fachhandel, sondern auch künftig für eigene Online-Events. In Zeiten von „social distancing“ bekommt dieser Weg der digitalen Kommunikation einen völlig neuen Stellenwert. Ein absoluter Mehrwert, wie wir finden. So auch für Besucher, die bei der Anmeldung bestimmte Schwerpunkte wie Produktfokus, Position im Unternehmen, Unternehmensgröße und besondere Interessen angeben. Ein Algorithmus erstellt ein innovatives „Match-Making“ durch gezielte Besucherunterstützung. Auch das ist aus meiner Sicht einzigartig.

Wie erfährt der Messebesucher gezielt über Messeneuheiten?

Die Neuheiten werden an den jeweiligen Ständen besonders hervorgehoben. Zudem stellen in den Hallen viele Newcomer aus. Das sind Unternehmen, die erst seit kurzem am Markt sind und Ihre hervorragenden Produkte in einem öffentlichkeitswirksamen Raum dem Fachhandel anbieten möchten. Dieses Jahr implementieren wir die jeweiligen Newcomer innerhalb der beiden Messehallen.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie die digitale Pro Fachhandel an?

Es ist ein neues Produkt. In der Regel hatten wir auf der physischen Pro Fachhandel immer im Schnitt 250 Fachhandelsbetriebe, die zu Besuch gewesen sind. Und da wird es dieses Jahr sicherlich den einen oder anderen Besucher geben, der nicht die virtuelle Pro Fachhandel besuchen wird, weil er sich in der digitalen Welt vielleicht nicht wohlfühlt. Dafür kommen neue Zielgruppen hinzu. Zum einen Fachhändler die wegen der langen Distanz oder aus Gründen der Opportunitätskosten die reale Messe auch nicht in der Vergangenheit besuchten. Zum anderen Personengruppen, die ein wichtiger Teil in der Wertschöpfungskette sind, aber wegen Ihrer Position im Unternehmen keine Messe besuchen. Dazu zählen z.B. Bezirksleiter oder Regionalleiter von Getränkefachmärkten.

Ich darf verraten, dass unsere Erwartungen bereits heute schon bei weitem übertroffen wurden. // Interview: Pierre Pfeiffer

 

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