BarthHaas: Hopfen-Hoch trifft auf Bier-Flaute

Donnerstag, 8. Oktober 2020 - 12:45
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Bier
Die vier wichtigsten Schlüsselfaktoren in der Hopfen- und Bierbranche sind die Hopfenanbaufläche, die Erntemenge, die Alphasäurenerzeugung und der Bierausstoß. (Foto: Pixabay)

BarthHaas, ein weltweit agierender Hopfendienstleister in Familienhand, meldet für 2019 eine Rekordernte beim Hopfen, der wiederum auf einen sinkenden Bieraustoß trifft. „2019 konnten wir weltweit eine Steigerung in den wichtigsten Schlüsselfaktoren der Hopfen- und Bierbranche gegenüber dem Jahr 2018 verzeichnen. Anbaufläche und Erntemenge, Alphasäurenmenge und der Bierausstoß sind gestiegen.“ Das betonte Heinrich Meier, der Autor des BarthHaas-Berichts Hopfen 2019/2020 bei der Vorstellung des neuen Berichtes.

Weiterer Rekord bei der Erntemenge

Diese Entwicklung setze sich bei der Hopfenanbaufläche fort, denn 2020 werde Hopfen auf mehr als 62.700 Hektar angebaut, ein Zuwachs von weiteren 1.100 Hektar gegenüber 2019. Bei der Erntemenge sei ein weiterer Rekord zu verzeichnen. „Mit knapp 130.000 Tonnen war die Ernte 2019 die größte seit 1993", sagt Meier. Noch entscheidender als die Menge des geernteten Hopfens sei aber die Menge der gewonnenen Alphasäure. (Erklärung: Neben Aromaölen ist Alphasäure der für das Bierbrauen wichtigste Bestandteil des Hopfens und für die Bittere des Biers verantwortlich.) Bereits 2019 sei die Menge der im Hopfen geernteten Alphasäuren so hoch wie nie zuvor gewesen.

Craft-Sektor leidet überproportional an Corona-Pandemie

Damit stehe dem Markt aus der Ernte 2019 grundsätzlich ein Überschuss an Alphasäure zur Verfügung. Die Höhe dieses Überschusses hänge aber vom Bierausstoß und dem eingesetzten Alpha ab. Die Corona-Pandemie habe zahlreiche Bereiche getroffen, auch die Brauwirtschaft. „Besonders der für die Hopfenwirtschaft so wichtige Craft-Sektor leidet überproportional, da ein großer Teil der Craft-Brauereien vom Ausschank vor Ort abhängig ist", weist Meier auf die Malaise hin.  Als Folge könnte nach Schätzungen der Bierausstoß im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 je nach Modell um 8 bis 14 Prozent sinken. Dies entspreche einem Minderbedarf von 400 bis 2.000 Tonnen Alpha. Aus heutiger Sicht werde der Bierausstoß das Niveau von 2019 frühestens 2022, wenn nicht später, wieder erreichen.

„Wenn Angebot und Nachfrage nicht in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit allen Beteiligten wieder ins Gleichgewicht gebracht werden ist die langfristige Leistungsfähigkeit der Hopfenwirtschaft von einer schnellen Aushöhlung bedroht, an der niemand Interesse haben kann", warnt Meier. 

Hinzu kämen weitere Beeinträchtigungen für die Hopfenpflanzer, zum Beispiel durch restriktive Vorschriften beim Einsatz von Saisonarbeitskräften oder auf europäischer Ebene durch neue einschränkende Vorschriften zur Düngung und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Eine Neuausrichtung des Hopfenanbaus sei dringend erforderlich. 

Deutschland auf Platz 5 der Liste der weltgrößten Biernationen

Nach wie vor liege nach Angaben von BarthHaas Deutschland mit knapp 92 Millionen Hektolitern Bier, die 2019 gebraut wurden, auf Platz 5 der Liste der weltweit größten Biernationen. Mit großem Abstand führt China, wo 2019 knapp 377 Millionen Hektoliter Bier gebraut wurden. Es folgen die USA (211 Mio. hl), Brasilien (145 Mio. hl) und Mexiko (124 Mio. hl). 2019 wurden weltweit 1.913 Millionen Hektoliter gebraut, das ist ein leichter Anstieg um 0,5 Prozent. Es sei aber davon auszugehen, dass angesichts der Corona-Pandemie die Zahlen für 2020 deutlich zurückgehen werden.

Sieben deutsche Brauereien unter den Top 40 weltweit

Unter den 40 weltweit größten Brauereien und Brauereigruppen sind laut BartHaas sieben deutsche Brauereigruppen vertreten: Radeberger Gruppe (Platz 23), TCB Beteiligungsgesellschaft (24), Oettinger (28), Bitburger Brauereigruppe (30), Krombacher (31), Paulaner Brauerei Gruppe (32) und Warsteiner (38). Zusammen brauten diese Gruppen rund 51 Millionen Hektoliter. Das entspreche einem Anteil am Weltbiermarkt von 2,6 Prozent. 2019 wurden weltweit 1.913 Millionen Hektoliter gebraut, ein leichter Zuwachs um 0,5 Prozent gegenüber 2018. Die Zahlen für 2020 würden wahrscheinlich deutlich niedriger ausfallen, schätzt BartHaas. Auf die 40 größten Brauereigruppen weltweit entfielen dabei 1.723 Millionen Hektoliter, ein Anteil von rund 90 Prozent am Weltbiermarkt. Die vier größten Brauereigruppen AB Inbev, Heineken, China Res. Snow Breweries und Carlsberg stünden laut BarthHaas mit ihren Brauereien für mehr als die Hälfte der weltweiten Bierproduktion. Übernahme und Fusionsaktivitäten 2019 konzentrierten sich weiterhin vor allem auf das Craft-Brauer-Segment. //BH/pip

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