Ausgabe 06/2019

Dienstag, 12. März 2019 - 10:30

Bitte melden, Frau Schulze!

Getränke Zeitung Cover 6/19

Im Duden bedeutet das Wort „informell“ so viel wie „nicht offiziell“, „ohne Formalitäten“. In unserem Fall trifft diese Definition gleich doppelt zu.

So, jedenfalls, fühlt es sich an, nachdem wir zum Aufregerthema Plastikvermüllung – das mittlerweile zum Kampf Leitungswasser gegen Flaschenwasser mutiert ist (S. 6 Titelthema) – Positionspapiere seitens der Verbände sowie seitens des Bundesumweltministeriums (BMU) zum Thema erhalten haben. Rein informell eben. Heißt übersetzt: Beide Seiten haben eine Meinung, wollen sie aber offiziell nicht (allen) preisgeben. Dabei wäre es ein Leichtes für Bundesumweltministerin Svenja Schulze, die Gemüter aus der kompletten Getränkebranche zu beruhigen. Sie müsste lediglich klar und öffentlich Position beziehen, dass es ihr weder darum geht, die Nutzung von Mineralwasser zu kritisieren oder einzuschränken. Ziel ist ja angeblich, Plastikmüll zu vermeiden. Eine Verlautbarung des BMU an alle setzt aber voraus, dass der parlamentarische Staatssekretär des BMU nicht nur einer Branchenorganisation auf eine Beschwerde hin antwortet – wie geschehen – sondern alle Betroffenen aus der Branche anspricht. Da ist bei der Kommunikation seitens des BMU gründlich etwas schiefgelaufen. Ähnlich wie beim „Dialog gegen Plastikmüll“ Ende Februar in Berlin, als die komplette Getränkebranche am Tisch fehlte (siehe GZ 5). Frau Schulze, bitte melden (S. 3 Leitartikel)! Ansonsten tun es andere in der GZ, wie Bettina Hoffmann, umweltpolitische Sprecherin der Grünen (S. 8 Debatte).

Spötter behaupten ja, dass es Tradition sei, wenn die Politik die Wirtschaft gegen sich aufbringt. Aber das ist wohl eher eine Stereotype. Denn Tradition dient der Orientierung und gibt Halt – solange sie funktioniert. Wenn nicht, muss sie dem Zeitgeist entsprechend angepasst werden. Und das beherrscht kaum einer so gut wie die Süddeutschen Brauereien, wie mein Kollege Joachim Albus herausgefunden hat (S. 12 + 13 Süddeutsche Traditionsbiere). Kein Mythos ist, dass hierzulande gerne Saft getrunken wird. Sonst wären die Deutschen keine Weltmeister darin. Meine Kollegin Leska Kettenmann räumt in ihrem Saft-Report (S. 10-11) mit weiteren hartnäckigen Mythen auf.

Pierre Pfeiffer
pfeiffer@meininger.de

Inhalte dieser Ausgabe

GZ Ausgabe 6 - S. 6 - 5-Punkte-Plan
Titelthema – 5-Punkte-Plan

Reden ist Silber … – Der 5-Punkte-Plan von Bundesumweltministerin Svenja Schulze sorgt vielerorts für Diskussionen.

GZ Ausgabe 6 - S. 10 - Saft
AfG – Saft

Spezialitäten gewinnen – Saft entwickelte sich im Ausnahmejahr 2018 gut. Die Verbraucher suchen Außergewöhnliches.

GZ Ausgabe 6 - S. 12 - Süddeutsche Traditionsbiere
Bier – Süddeutsche Traditionsbiere

Braucht Zukunft noch Herkunft? – Tradition und Bier: Dieses Begriffspaar gehört definitiv zusammen. Warum Tradition auch heute noch gefragt ist.

GZ Ausgabe 6 - S. 14 - Korn
Spirituosen – Korn

Nie mehr Kopf in den Nacken – Die Zeiten des Kippens und des sich Schüttelns gehören der Vergangenheit an, sagen Korn-Kenner.

GZ Ausgabe 6 - S. 16 - Fuhrpark
Service & Support – Fuhrpark

Steiniger Weg in die Zukunft – Die Transportbranche hat einiges zu bewältigen: Klimaschutz, Mauterhöhungen, Fahrermangel.