Rocco & Sanny, Berlin

Ausgabe: 
11
2012
Donnerstag, 6. Dezember 2012 - 9:30
Gastronomie
Szene

Rocco&Sanny,

Man stelle sich eine Gastronomie vor, die in Flammen aufgeht – und weil das Geld für die Renovierung fehlt, wird einfach weitergemacht, als sei nichts geschehen. In diesem „Burnout- Style“ kommt der Restaurant-Bar-Club-Mix „Rocco & Sanny“ auf der Friedrichstraße daher, das neue Gemeinschaftsprojekt der Amano Group und Mario Grünenfelder. „Unsere anderen Konzepte sind sehr hochwertig ausgerichtet, hier wollen wir vor allem lustig sein“, erklärt Grünenfelder. Spaß habe schon der nur vierwöchige Umbau gemacht, berichtet er.

Das glaubt man ihm sofort, angesichts der unorthodoxen Methoden, der man sich bediente: Das Mobiliar wurde auf einem Bauernhof an der Ostsee tatsächlich einmal komplett durch ein Feuer gezogen; das Spirituosen-Backboard ist derart verkohlt, dass es unter der Flaschenlast jeden Moment in sich zusammenzufallen droht. Doch alles wurde mit einem Dutzend Lackschichten gut versiegelt und massiv gemacht. Die Brandspuren an den Wänden und die Fettflecken an der Decke der offenen Küche: kunstvoller Fake. Alle Flächen wurden grundiert und anschließend liebevoll auf heiß und fettig getrimmt. In der Küche darf sich der Gast fühlen, als stelle er seine Füße bei einer italienischen Mama unter den Tisch – diverse Italo- Kitsch-Elemente, ein Neapolitaner „Maradona- Schrein“, Tomatendosen-Stapel und viele weitere kleine Entdeckungen sorgen für echtes Cucina-Flair. Aufgetischt werden unter anderem Macaroni and Cheese, Spaghetti Meatballs, saisonale Speisen und das, was die beiden Köche, sie heißen Rocco und Sanny, vom Markt mitbringen.

Die von Christina Schneider (zuvor „Envy Bar“ im nhow Hotel, Berlin) geleitete Bar rundet das Konzept mit einem Schwerpunkt auf Apéritivo-Drinks ab. Der „Rum Negroni“ wird in großen Flaschen gelagert und kommt dann in kleinen Fläschchen zum Selbsteinschenken an den Tisch. „Rocco & Sanny“ lädt ein zum Essen, zum Trinken und zum Feiern, bis die Hütte brennt. Aber nur für maximal anderthalb Jahre. Dann entsteht hier ein zweites Amano-Hotel.

Jan-Peter Wulf

www.roccoandsanny.de