Pantry, Berlin

Ausgabe: 
10
2012
Donnerstag, 25. Oktober 2012 - 9:45
Gastronomie
Szene

Auf der nördlichen Friedrichstraße sind viele szenengastronomische Restaurant-Konzepte gescheitert („Gorilla“, „Wahllokal“, „Chipps“). Imbisse und Fast Casuals versorgen dort jetzt das Trottoir-Publikum. Kein gutes Vorzeichen für das neue „Pantry“? Gehen wir lieber hin, statt vorschnell zu urteilen. Nehmen wir Platz auf einem der sehr bequemen, eigens angefertigten Ledersessel. Lassen wir den Blick streifen und den klar gegliederten Raum auf uns wirken: Massive, aus dem Stück geschnittene Eichenholz-Tische sieht man da, Gold und Kuhfell- Ornamente an den Wänden. Die kleine Küche („Pantry“) leuchtet in warmem Rot, selbst die zunächst misanthrop und provokativ erscheinenden Portraits von Tina Winkhaus entwickeln nach einer Weile eine ansprechende Strahlkraft. Und dann: genießen wir.

Küchenchef Jarno Huhn, zuvor Souschef im „Longrain“ in Melbourne, bringt spannende Kreationen aus „ibero-pazifischer“ Küche mit Regio-Einfluss auf die Teller. Ohne Schischi, dafür mit handwerklicher Finesse und mit Leidenschaft für gute Produkte. Seine Mission: „Durch meine Arbeitsleistung in der Küche ein Gericht aus einem Produkt kreieren und einen Geschmack aus diesem heraus bekommen, mit dem keiner gerechnet hätte.“ Zum Beispiel aus einem Apfel, der dem „Organic Shetland Lachs“ mit Palmzucker, Basilikum und Kartoffelcreme eine wunderbare Note gibt. Die „Pantry“-Macher David Canisius und Heiko Martinez zielen ganz klar aufs Abendgeschäft.

Aufs verlängerte: Nach dem Abendessen ist der Gast herzlich eingeladen, am Tisch oder an der Bar zu verweilen und sich z.B. „City Mules“ (neben der klassischen „Moscow Mule“ gibt es „Paris Mule“ mit Hennessy-Cognac und „Berlin Mule“ mit Berliner Brandstifter) servieren zu lassen. „Viele Gäste kommen für ein Restaurant zu spät, nämlich gegen 23 Uhr, um Drinks zu nehmen“, erklärt David Canisius. So wird es auch schon mal früher Morgen, ehe Feierabend ist. Gibt es mit dem „Pantry“ also endlich eine dauerhafte Adresse in der oberen Friedrichstraße? Es sieht ganz danach aus.   

Jan Peter Wulf

www.pantry-berlin.com