Cognac und so

Ausgabe: 
04
2013
Freitag, 14. September 2012 - 12:00
Gastronomie

Den Retro-Drinks sei Dank. Weinbasierte Spirituosen rücken wieder stärker in den Mittelpunkt des Bargeschehens. Cognac, Armagnac, Brandy, Weinbrand, Metaxa – alles gereifte Brände mit viel Geschichte, denen es mal mehr, mal weniger gelingt, das angestaubte Image abzuschütteln.

Frisch und jung – das ist vermutlich das letzte, was ein Großteil der Verbraucher mit dem deutschen Traditionsprodukt Asbach verbindet. Doch genau an diesem Paradigmenwechsel arbeitet der Weinbrand seit einiger Zeit im Barumfeld. Aktuell etwa im Rahmen der Thomas Henry Klassenfahrt, bei der Asbach als Partner dabei war und gemeinsam mit den angesagten Bar-Fillern im Glas respektive im retro-trendigen Emaille-Becher landete. So war einer der beliebtesten Drinks an Bord...

The Big Buck

„The Big Buck“

4 cl Asbach 8 Jahre

2 cl Cointreau

1 cl Zitronensaft

Fill up mit Thomas Henry Spicy

Ginger

Dekoration: Zitronenzeste

Parallel dazu schult Asbach fleißig Bartender in Deutschland über das Produkt. Eine klassische Top-Down-Strategie, die mit langem Atem geplant ist. Bartender werden das Image zwar nicht alleine entstauben können, aber die Ansätze sind vielversprechend, und so dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, wann der Geist des Weines auch wieder der breiten Basis schmackhaft gemacht wird. Ein weiterer deutscher Weinbrand, der sich seit einiger Zeit regelmäßig mit Drinkvorschlägen meldet, ist Chantré. Hier wird allerdings der direkte Weg zum Endverbraucher gewählt. Mit solchen Ansätzen geben sich die deutschen Vertreter schon vergleichsweise sehr fortschrittlich. Spanischer Brandy etwa ruht sich nach wie vor auf seinen Lorbeeren und seinem Ruf aus, ähnlich wie Armagnac. Beides hat in Deutschland keinen großen Absatz und genießt weder einen besonders guten noch einen schlechten Ruf. Beide werden von Kennern gerne einmal genutzt, aber das war es dann auch schon. Aus dem krisengeschüttelten Griechenland stammt eine Spirituose, die bereits seit 1888 mit Irrtümern zu kämpfen hat, versuchte man doch von Beginn an, Metaxa in eine der bestehenden Spirituosen-Kategorien zu pressen. Doch Metaxa ist und bleibt Metaxa: eine Spirituose bestehend aus gereiftem Weindestillat, Muskatwein und einer Prise Kräuter-Essenz. Diese Message stand auch im Fokus einer kürzlich absolvierten Tour durch deutsche Bars, bei der unter anderem Metaxa- Master Konstantinos Raptis allerlei über die Geschichte und natürlich das neueste Produkt, den Metaxa 12*, berichtete (siehe dazu auch Kasten) Dies war jedoch nur der erste Streich, startete doch bereits ein Wettbewerb, um junge Bartender und Bar-Berufene zu animieren, einen Drink mit diesem griechischen Original zu kreieren. Und nicht nur das, auch ein Flair-Wettbewerb ist dabei und noch vieles mehr – der Metaxa Young Cup ist geboren und wird in diesem Jahr erstmalig ausgetragen.

Cognac auf jung

Der wohl bekannteste Vertreter in Sachen Destillat aus Wein ist der Cognac, der mittlerweile ein wirkliches Luxusproblem hat: Asien und der US-Markt sind so stark, dass der Cognac knapp wird. Dabei kaufen Amerikaner die jungen Cognacs und die Asiaten vor allem die reiferen Qualitäten. Der Platz, um Wein in der vorgeschriebenen Region anzubauen, ist begrenzt, und selbst wenn man die komplette Anbaufläche aktiviert, was schon nahezu geschehen ist, so dauert es doch einige Jahre, bis aus den größeren Mengen Eau-de-vie auch wirklich Cognac wird. „Es wird mindestens 15 Jahre dauern, bis die Mengen, sofern weiter so viel Cognac außerhalb Europas genossen wird, auch wirklich geliefert werden können“, berichtet Marc Boissonnet, Brand Ambassador für Hennessy, Und dabei hat Hennessy schon von den großen Herstellern den größten Anbauanteil.

So stark Cognac auch außerhalb Europas gefragt ist – in Europa und auch in Deutschland hat er ein Imageproblem, gilt er, zumindest bei jungen Verbrauchern, doch als verstaubt und veraltet. Um von diesem Image des Altbackenen loszukommen, verfolgen die Hersteller unterschiedliche Strategien.

Hine – Cognac mit britischem Charme

Das Haus Hine ist der einzige Cognac-Hoflieferant des britischen Königshauses und beruft sich auch gerne darauf. Die Produkte aus diesem Haus gelten als etwas hochpreisiger. In Deutschland im Vertrieb bei Seven Spirits, geht dieser Cognac traditionell nicht den Weg der Märkte, sondern seinen eigenen Weg der Tradition. Im hochpreisigen Segment hat Hine ein neues Produkt mit der Qualität „Triomphe“ (ca. 260 Euro), welches geschmacklich die Lücke zur Qualität „Mariage“ schließen soll. Das war es dann aber auch schon – frische, junge Produkte für junge Leute sucht man hier vergebens.

Rémy Martin – frisch mit alten Fässern

Das Haus Rémy Martin hat seinem Produkt VSOP ein Facelifting verpasst, ein bereits aus anderen Spirituosen bekanntes „Finishing“ bringt mehr Fruchtnoten und die Flasche wurde überarbeitet. Dabei bekommt das Produkt VSOP ein weiteres Jahr in bereits genutzten, alten Fässern. Die Fässer sind so alt, dass sie keine Holznoten mehr abgeben, aber im Holz warten Fruchtnoten aus vorheriger Lagerung. Dieses „Mature Cask Finish“ führt zu einem frischen, spritzigen und jungen Produkt, das sich in hervorragender Ambivalenz zeigt: pur, auf Eis oder im Cocktail spielt dieser Cognac seine zahlreichen Facetten aus. Seine Mixfähigkeit stellte er zuletzt im Rahmen der „Rémy Martin Classics“ unter Beweis, u.a. beim siegreichen Drink...

Love for Remy

„Love for Rémy“

6 cl Rémy Martin VSOP Mature

Cask Finish

1 cl Zitronensaft

2 dünne Scheiben Ingwer

2 Stängel Rosmarin

1 cl Ahornsirup

 

 

 

ABK – cool auf Eis

Dieses kleine Cognac-Haus versucht, mit frischen Ideen und zwei Produkten Anschluss an die junge Generation zu finden. Zunächst die neue VS-Qualität „Pure Single“: ein sehr würziger und fruchtiger Cognac, zum Mixen hervorragend geeignet, aber gerne auch pur genossen. Ein Produkt, das speziell für den Kontakt mit Eis geschaffen wurde und auch nicht in die bisherigen Altersklassifizierungen passt, ist der ABK6 Ice. Auch dieser beweist seine Mixability und seine Vielfalt. Mit sinkender Temperatur verändern sich die Aromen von Vanille über weißen Pfirsich bis hin zu Minze. Ein moderner Ansatz, der neue Wege eröffnen könnte. In Deutschland ist ABK6 im Vertrieb der Sasse Weinimport GmbH.

Hennessy – Mixpartner Tee

Der wohl größte Hersteller von Cognac ist das Haus Hennessy – traditionell und bisweilen sehr exklusiv, wie etwa bei der neuesten Qualität, dem „Paradis Imperial“, eine Komposition aus sehr gereiften Destillaten, das älteste sogar 130 Jahre alt. Hier entfaltet der Cognac wieder sein Image als Luxusgut. Parallel dazu beschäftigt sich das Haus aber auch immer wieder mit der Anwendung im Drink, aktuell steht die Paarung mit Tee im Fokus, denn laut Hennessy passen die pflanzlichen Noten des Cognacs zu den pflanzlichen Noten des Tees, während die würzigen Noten des Tees die floralen und fruchtige Aromen des Cognacs verstärken. Beispiel:

The fine winter

„The Fine Winter“

5 cl Hennessy Fine de Cognac

3 cl abgekühlter Earl Grey Tee

2 cl frischer Zitronensaft

1,5 cl Schwarzkirschsirup

1,5 cl Cranberrysaft

Dash Angostura Orange Bitters

und Angostura Bitters

Eiweiß

Dash Soda

Ferrand – klassisch modern

Cognac Ferrand geht mit dem heutigen Besitzer Alexandre Gabriel ganz neue Wege. „Cognac, wie wir ihn heute kennen, hat sich seit Jahrzehnten kaum bewegt. Aber Cognac war auch einmal anders.“ Es fällt auf, dass Cognac Ferrand schon in den Bezeichnungen von der üblichen VS, VSOP, XO-Kategorisierung abweicht. „Das sind Beschränkungen, denen ich nicht zustimme, denn es geht nicht um das Alter eines Cognacs, sondern am Ende des Tages muss er dem Verbraucher schmecken“, so Gabriel. Bestes Beispiel ist sein aktuellstes Produkt, der Cognac Pierre Ferrand 1840 Original Formula. Um diesen zu kreieren, hat Gabriel alte, „frische“ Cognacs per Auktion erstanden. Diese über 100 Jahre alten Cognacs in VS-Qualität hat er akribisch analysiert und mittels seiner gelagerten Qualitäten nachempfunden – ein sehr gelungenes Produkt, sowohl pur als auch zum Mixen geeignet.

Baron Otard – Adel verpflichtet

Baron Otard hat erst kürzlich die komplette Range optisch überarbeitet. Im unteren Qualitätssegment hat sich allerdings sonst nichts getan. Lediglich in den hohen Qualitäten gab es neue Produkte, und dort auch den wohl aktuell teuersten Nicht-Cuvee-Cognac „Fortis et Fidelis“ produziert. Der empfohlene Flaschenpreis liegt bei 3.200 Euro in Frankreich und dürfte in Deutschland nicht unter 3.500 Euro zu haben sein. Hier werden die ältesten Destillate genutzt, das jüngste ist 60 Jahre alt. Baron Otard wird in Deutschland durch Bacardi vertrieben.

Fazit

Es passiert etwas auf dem Weinbrand-Markt, um die jungen Verbraucher und Genießer von morgen anzusprechen. Allerdings geht der Wandel nur langsam voran, denn gleichzeitig sollen Traditionen gewahrt werden. Anhand von Cognac wird deutlich, dass sich so mancher Richtung junges Publikum bewegt. Aber eben nicht alle, vor allem weil der asiatische Markt so lukrativ ist. Drinks lassen sich selbstverständlich mit allen Produkten zubereiten. Die Frage ist nur, wie lange die Preise bei dieser Nachfrage noch stabil genug bleiben, damit sich Cognac auch weiterhin als Mix-Spirituose rechnet.

Jörg Kalinke