Wärmeliebend

Donnerstag, 13. August 2020 - 13:00
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Klimawandel 

In den letzten 20 Jahren wurden neun der zehn wärmsten Jahre verzeichnet. Schon lange sind die Folgen des Klimawandels auch bei uns in Deutschland spürbar: Häufigere Hitze- und Dürreperioden, trockenere Sommer und nassere Winter, schmelzende Alpengletscher und steigende Meeresspiegel sowie vermehrte Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hagel oder Gewitter. Auswirkungen sind Hitzestress, Ernteausfälle, vermehrte Waldbrände, Gefährdung der Küsten, erhöhte Überschwemmungsgefahr, verfrühter Pflanzenaustrieb und viele mehr.

Reaktion auf den Klimawandel

Aber wie reagiert unsere Artenvielfalt auf den Klimawandel? Arten mit hoher Anpassungsfähigkeit werden gegenüber den weniger anpassungsfähigen Arten profitieren. Schätzungsweise werden 26 Prozent aller Tierarten negativ durch den Klimawandel beeinflusst, wohingegen 22 Prozent der Tierarten vom Klimawandel profitieren werden.

Insgesamt werden sich die Verbreitungsgebiete vieler Arten Richtung Norden verschieben. Je nachdem ob der Klimawandel gebremst werden kann, werden 25 bis 50 Prozent unserer heimischen Tagfalterarten zwei Drittel ihres Lebensraums verlieren. Diese Entwicklung ist auch auf andere Insektengruppen übertragbar. Vor allem mediterrane Floren- und Faunenelemente sind Gewinner des Klimawandels, denn sie haben die Möglichkeit sich neue Lebensräume zu erschließen.

Viele wärmeliebende Arten, darunter auch die folgend vorgestellten, zeigen bereits jetzt eine Erweiterung ihrer Lebensräume. Mehr Informationen im aktuellen ddw16-17/2020. 

Gewinner des Klimawandels: 

 

Die Blaue Holzbiene 

Unsere größte heimische Wildbienenart ist die Blaue Holzbiene Xylocopa violacea. Ehemals in Süd- und Mitteleuropa heimisch, war die Blaue Holzbiene bis in die 80er Jahre nur in der Oberrheinebene anzutreffen. Seitdem breitet sie sich als Profiteurin des Klimawandels nicht nur in Deutschland aus, sondern ist in ganz Europa auf dem Vormarsch. Die Populationen dieser Art nehmen jährlich zu. Es wird vermutet, dass das Auftreten der immer häufiger werdenden trockenwarmen Sommer zu Expansionswellen führt.

Eine Besonderheit der langzüngigen Biene: Gelangt sie mit ihrer Zunge nicht an den Nektar beißt sie ein Loch in die Seite der Blütenröhre durch welches sie dann den Nektar saugen kann. Entsteht dabei kein Kontakt mit dem Pollen der Pflanze, trägt dies nicht zur Bestäubung bei. Kleptolektie oder Nektarraub nennt man dieses Phänomen.

Die Gottesanbeterin 

Eine auffallende Vertreterin der Klimawandel-Profiteure ist die Gottesanbeterin Mantis religiosa. Wer die bis zu 75 mm großen Tiere in der Natur antrifft kann sich besonders freuen, denn sie sind Vertreter der einzigen heimischen Fangschreckenart.

Die ursprünglich aus Afrika stammende Gottesanbeterin bevorzugt in Mitteleuropa wärmebegünstigte Habitate wie Trocken- und Halbtrockenrasen, Ruderalflächen, Gras- und Buschlandschaften sowie südexponierte Böschungen. Besonders in den wärmebegünstigten Weinbaugebieten findet sie passende Lebensräume. In Europa zählt sie zu den Gewinnern des Klimawandels. Mit steigenden Temperaturen breitet sich die Art immer weiter aus. In Deutschland ist sie mittlerweile fast in allen Bundesländern vertreten.

 

Die Ödlandschrecke 

Die Blauflügelige Ödlandschrecke Oedipoda caerulescens gehört zur Familie der Feldheuschrecken. Ihr Leben ist auf den Boden angepasst. Obwohl Blauflügelige Ödlandschrecken gute Flieger sind, bewegen sie sich überwiegend laufend. Als Habitat kommen trocken-warme Flächen mit lückigem Vegetationsaufkommen und hoher Sonneneinstrahlung in Frage. 

Durch den Klimawandel treten vermehrt Jahre mit feuchten, milden Wintern sowie trockenen, warmen Sommern auf. Dies wirkt sich positiv auf die Blauflügelige Ödlandschrecke aus, indem die Entwicklung der Eier und Larven gefördert, sowie der Aktivitätszeitraum der adulten Tiere verlängert wird. Bereits seit den 1990er Jahren wird eine Ausbreitung dieser Art verzeichnet. (Lea Jäger, DLR Mosel) 

 

 

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