Wissenschaftliche Standards statt gefühlter Risiken

Donnerstag, 13. August 2020 - 10:45
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 Immer mehr Pflanzenschutzmittel werden vom Markt genommen, während keine Alternativprodukte zugelassen werden. Foto: Bleyer

In einem gemeinsamen Positionspapier äußern 12 Verbände aus der Agrarwirtschaft und der Zuliefererindustrie, darunter auch der Deutsche Weinbauverband e. V., ihre Sorge um die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland. Als besonderes Problem sehen sie die »Wirkstoffverluste« bei Pflanzenschutzmitteln: In den vergangenen zehn Jahren wurden hochgerechnet für vier Substanzen, die vom Markt genommen werden mussten, nur eine neue zugelassen.

Selbstversorgung sichern 

Die Corona-Kreis habe gezeigt, wie wichtig eine ausreichende und verlässliche Nahrungsmittelversorgung und stabile regionale Kreisläufe seien. Durch die schrumpfende Verfügbarkeit von wirksamen Pflanzenschutzwirkstoffen und die damit einhergehende Beschränkung von Bekämpfungsoptionen erhöhe die Gefahr von Resistenzen und Qualitäts- und Ertragsverlusten und der Verminderung der Rentabilität des Anbaus bestimmter Kulturen. Zudem sei durch den Klimawandel mit neuen Schaderregern zu rechnen. Als Folge sehen die Verbände  eine Verlagerung des Anbaus ins Ausland bei sinkendem Selbstversorgungsgrad. 

Mangel an Alternativen 

Die Verbände sehen auf absehbare Zeit keine biologischen, züchterischen, digitalen oder mechanischen Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz, die in gleicher Weise wirksam und zuverlässig sind.

Die Verbände fordern, dass die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und-wirkstoffen ausschließlich nach wissenschaftlichen Standards erfolgen soll, und nicht nach »gefühlten« Risiken oder politischen Motiven. Auch dürfe die Zulassung nicht mit agrar- oder umweltpolitischen Zielen vermischt werden. 

»Es bedarf einer gemeinsamen europäischen Pflanzenschutzstrategie zur Ertrags- und Ernährungssicherung«, fordern die Verbände. Es könne nicht länger hingenommen werden, dass pauschale Reduktionsstrategien für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln beschlossen werden, ohne dass der dadurch entstehende Wettbewerbsnachteil für die Landwirte kompensiert wird. -ha, jk-

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