Ungebrochenes Interesse an den Weinbautagen

Dienstag, 13. Januar 2009 - 12:00

Bei frostigen Temperaturen trafen sich viele Winzer Anfang Januar in Bernkastel-Kues um sich über Neuheiten zu informieren sowie über die dargebotenen Vorträge zu diskutieren. Ungebrochen ist das Interesse an den Weinbautagen, die in diesem Jahr wieder in Bernkastel stattfanden. Das zeigte der gut gefüllte Saal des Moselparkhotels. Die Fachausstellung mit regionalen und überregionalen Ausstellern bietet dem Winzer Gelegenheit, sich über Neuheiten in Weinbau und Kellerwirtschaft vor Ort zu informieren.

Es ging um wichtige Themen: gerade der Besuch von Staatsminister Hendrik Hering wurde mit Spannung erwartet. Hering betonte, dass er sich für den Wein als regionales Produkt einsetze, der ein bedeutender Wirtschaftsfaktor der Mosel ist und dies müsse auch in der neuen Weinmarktordnung festgeschrieben werden. Wein habe je nach Herkunft einen sehr individuellen Charakter und dies gelte gerade für deutsche Weine. Daher, so Hering weiter, werde in enger Abstimmung mit dem Deutschen Weinbauverband (DWV) an den Grundlagen gearbeitet, die bereits im August dieses Jahres in Kraft treten sollen. Der Zeitraum ist aber viel zu kurz, betonte Dr. Rudolf Nickenig, Generalsekretär des DWV, und daher müsse unbedingt von Seiten der Bundesregierung ein zeitlicher Aufschub erwirkt werden.

Die Podiumsdiskussion mit Vertretern aus allen Bereichen des Weinbaus und der Kellereien machte deutlich, dass es bei der Umsetzung der EU-Weinmarktreform zum neuen Bezeichnungsrecht sehr unterschiedliche Ansichten gibt. Wichtig sei gerade für die Mosel eine Stärkung der Begriffe "Steillage" und "Riesling". So müssen sich die Verantwortlichen zunächst über die Eckpunkte einig werden. Alle waren sich darüber klar, dass der Zeitplan nicht zu halten sei und die Vorschriften verbraucherfreundlicher werden müssten um den Konsumenten mehr Klarheit zu bieten.

Sowohl die Vorträge zu weinbaulichen als auch zu kellerwirtschaftlichen Themen stießen bei den Winzern auf großes Interesse. So referierte Dr. Winfried Zipse über Versuche beim Einsatz von Fungiziden zusammen mit Entblätterungsmaßnahmen. Er machte deutlich, dass gerade bei Oidium der größte Infektionsdruck während und kurz nach der Blüte herrscht, gerade dann sei der richtige Pflanzenschutz von großer Bedeutung. Da Hagelschlag in den Weinbergen der Region in den letzen Jahren zu schweren Schäden führte, wird zusammen mit der Landesregierung weiter geforscht werden, ob der Einsatz eines Hagelfliegers sinnvoll ist.

Immer mehr Bedeutung gewinnt das Raupenmechanisierungssystem (RMS), das bei den Besuchern der Fachausstellung auf viel Interesse stieß. Matthias Porten (DLR Mosel) berichtete über die Einsatzmöglichkeiten und die Vorteile des Systems. Gerade durch die Anbaumöglichkeiten an herkömmliche Geräte sei ein preisgünstiges Arbeiten möglich. Gerade für Lohnunternehmen hält erdas RMS für interessant, da hiermit schlagkräftig größere Parzellen bearbeitet werden könnten, einige Geräte seien bereits im Einsatz. Der geringe Bodendruck erlaube ein Arbeiten auch bei ungünstiger Witterung. Ganz wichtig, so Porten weiter, seien die geringeren Reparaturkosten gegenüber dem Steillagenmechanisierungssystem (SMS), da es sich meist um Standardgeräte handeln würde.

Abgeschlossen wurde der weinbauliche Teil mit einem Vortrag von Dr. Lars Huber, FA Geisenheim, über Auswirkungen von Wurzelschimmel im Weinberg. Dieser ist besonders gefährlich, da es weder vorbeugende noch heilende Bekämpfungsmöglichkeiten gibt. Die einzige Abhilfe schafft eine mehr als zehn-jährige Brache.

Das Interesse seitens der Winzer ist bei kellerwirtschaftlichen Themen ungebrochen, und so war auch am zweiten Tag der Veranstaltung der Saal mit interessierten Zuhörern gut besucht. Horst Rudy (DLR Mosel) berichtete über mehrjährige Versuche zu unterschiedlichen Flaschenverschlüssen. Getestet werden alle Arten, wobei es gerade bei den Kunststoffstopfen große Unterschiede gebe - auch in Bezug auf die Lagerzeit. Da die Versuche noch zwei weitere Jahre laufen, darf man bereits jetzt auf die abschließenden Ergebnisse gespannt sein. Ein vorläufiges Ergebnis der Testreihe können Sie in unserer im Februar 2009 erscheinenden DDW-Ausgabe 3 nachlesen.

Ein weiteres Thema waren die organoleptischen Auswirkungen schadhafter Trauben auf den Wein. Hier wurde deutlich, dass bereits bei der Lese auf gesundes Traubengut geachtet werden müsse um möglichst saubere Moste zu erhalten. Schönungen wirken zwar teilweise aber entfernen auch positive Aromen aus dem Most oder Wein. Wichtig bei Schönungen sind immer Vorversuche, um mit möglichst geringen Aufwandsmengen arbeiten zu können.

Dr. Gerd Scholten berichtete über den Stand bei den neuen Kennzeichnungsvorschriften bei Wein in Bezug auf allergene Stoffe. Die Vorschriften der EU sind für den Kellerwirt nicht immer nachzuvollziehen. Allergene Stoffe sind z.B. in Eiweißen tierischen Ursprungs enthalten, zu denen unter anderem das Kasein aus der Milch oder das Albumin aus dem Ei zu zählen sind. Obwohl diese als Schönungsmittel wieder aus dem Wein entfernt werden, können bereits geringste Partikel eine Allergie auslösen und müssen daher auf dem Etikett angegeben werden.

Das richtige Säuremanagement ist immer wieder in unserem nördlichen Anbaugebiet von Bedeutung und so referierte Wolfram Börker (DLR) über die einzelnen Säuren, die im Wein von Bedeutung sind und wie sie zu entfernen sind. (gs)

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