Pflanzengemeinschaften und PIWI-Sorten - Echte Zukunftsalternativen für den Weinbau?

Dienstag, 18. März 2014 - 12:00
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Branchentermine

Am 11. März 2014 fand wieder die Fachtagung „Önologisch“ der Renommierten Weingüter Burgenland in Zusammenarbeit mit dem ländlichen Fortbildungsinstitut im Vinatrium Deutschkreutz statt. Schwerpunktthemen waren heuer „Pflanzengemeinschaften“ und „PIWI-Sorten“. „Mit der Veranstaltungsreihe Önologisch wollen die Renommierten Weingüter Burgenland aktuelle Themen der Weinwirtschaft aufgreifen, zur Diskussion stellen und fundiertes Fachwissen anbieten, um den Fachdialog rund um das Thema Wein anzuregen und zu fördern“, betont RWB-Präsident Ök.-Rat Paul Rittsteuer. Das Fachseminar bietet eine Plattform, um sich zu informieren und mit Experten und Fachkollegen auszutauschen.
 
Mit „Pflanzengemeinschaften im Weinbau – ein Beitrag zu Boden- und Rebengesundheit“ und „PIWI-Sorten – Alternativen mit Zukunft?“ hat sich die RWB Gruppe für die diesjährige Fachveranstaltung zwei zukunftsweisende und kontroverse Themen vorgenommen, die von nationalen und internationalen Experten kritisch analysiert wurden und viel Raum für angeregte Diskussionen boten.
 
Die Referentenrunde war hochkarätig besetzt. Der Vormittag war den „Pflanzengemeinschaften“ gewidmet. Einführend erörterte DI Dr. Michael Machatschek von der Forschungsstelle für Landschafts- und Vegetationskunde in Hermagor, wie wichtig es ist, Pflanzengemeinschaften lesen zu lernen und welchen Nutzen das Wissen um die Kommunikation von Pflanzen, die Mechanismen und Funktionsweisen von Pflanzengemeinschaften im Speziellen auch für den Weinbau hat. DI Karin Böhmer, spezialisiert auf die Gewinnung von Wildblumensamen und die Erstellung von ökologisch passenden Pflanzenmischungen für jeden Standort, gab einen Überblick, welche Wildpflanzen besondere Eignung und Nutzen für den Weingarten haben. Mit Dr. Armin Djamei vom Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie in Wien wurde das Thema vom Standpunkt der Grundlagenforschung beleuchtet. Er erörterte die Prinzipien von Resistenzbildung bei Pflanzen und Mechanismen der Überwindung von Resistenzen durch biotrophe Pathogene – wie arbeiten Pilze und welchen Einfluss haben sie auf die genetische Anpassungsfähigkeit von Pflanzen.
 
Mit dem Potential pilzwiderstandsfähiger Rebsorten und der damit verbundenen Möglichkeit, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wesentlich zu reduzieren, setzte sich der 2. Teil der Fachtagung auseinander. Ing. Wolfgang Renner von der Versuchsstation Obst- und Weinbau Haidegg gab einen Überblick über die Erfahrungen mit PIWI-Sorten in der Steiermark und präsentierte Zahlen und Daten zur Verbreitung und Bedeutung von PIWI-Sorten in Österreich, aber auch im europäischen Vergleich.

DI Dr. Ferdinand Regner, Leiter der Abteilung Rebenzüchtung in der HBLA und Forschungszentrum für Wein- und Obstbau Klosterneuburg erläuterte die Grundlagen der Rebenzüchtung in Hinblick auf PIWI-Sorten und stellte verschiedene Neuzüchtungen aus Klosterneuburg vor. Alexander Morandell, Projektleiter der Innovitis GmbH aus Meran, Südtirol, die verschiedene Projekte zu Rebenzüchtung, im Speziellen auch zur Züchtung von PIWI-Sorten, betreibt, sprach über die Erfahrungen mit PIWI-Sorten in Italien und gab einen Überblick, welche PIWI-Sorten in Italien Bedeutung haben. Dazu gab es Weine verschiedener PIWI-Sortenzüchtungen der Versuchsstation Haidegg, Versuchsweine des LFZ Klosterneuburg, PIWI-Züchtungen verschiedener Südtiroler Winzer, aber auch Weine des tschechischen Weingutes Vinselekt Michlovský zu verkosten. DI Dr. Milos Michlovský beschäftigt sich seit den 80er Jahren mit der Erforschung und Züchtung von pilzresistenten Rebsorten. Seit 1995 betreibt er in Rakvice sein eigenes Weingut.

In der abschließenden Diskussionsrunde nahm Winzer Franz Schruiff aus Oslip, der seit Jahren schon PIWI-Weine in seinem Sortiment hat, Stellung, warum er sich für den Anbau von pilzresistenten Rebsorten entschieden hat und wie der Markt, der Konsument mit PIWI-Weinen umgeht. In weiterer Folge wurde die Bedeutung von PIWI-Sorten für den österreichischen Weinbau – jetzt und in Zukunft –diskutiert.

Die angeregten Diskussionen mit dem Auditorium zeigten, dass mit „Pflanzengemeinschaften“ und „PIWI-Sorten“ hochaktuelle und auch kontroverse Themen gewählt wurden, die für die Zukunft hohe Relevanz haben. Die Fachtagung „Önologisch XIII“ war wieder eine gelungene fachliche Auseinandersetzung. 

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