Life Steil - von Spitzenweinen und steilen Lagen

Donnerstag, 29. Januar 2009 - 12:00

Steillagen gibt es in allen deutschen Weinanbaugebieten, aber der größte Anteil liegt im Anbaugebiet Mosel. Daher befasste sich das weinbaupolitische Seminar der Friedrich-Ebert-Stiftung zu dem Christine Baumann (MdL) nach Trier eingeladen hatte mit diesem Thema - und natürlich mit dem Riesling.

Beides Themen, die weltweit zum guten Ruf der deutschen Weine beitragen, der sich trotz Wirtschaftskrise weiter im Aufwind befindet. Hierzu tragen auch die vielfältigen Veranstaltungen bei, die das DWI durchführt. Ob dies eine Riesling-Strandbar in Amerika ist oder ein Picknick im Grünen in Großbritannien. Überall werden deutsche Rieslingweine dazu ausgeschenkt. Davon konnte Monika Reule, Geschäftsführerin des Deutschen Weininstitutes, berichten. Erfreulich auch, dass der Absatz in Skandinavien weiter zunimmt und man mit China einen neuen Markt erschließt, der noch viel Potenzial bietet.

So ist es erfreulich, dass junge Winzer Arbeit und Zeit in den Wiederaufbau von Steillagen investieren. Egal ob an der Mosel, in der Pfalz oder an der Ahr, überall werden Brachflächen rekultiviert. Für die einen, so Dominik Sona aus Esthal in der Pfalz, ist es Hobby und der Wunsch nach etwas Eigenem. Auch wenn er den Wein im Moment noch nicht kostendeckend vermarkten kann, so sieht es doch hier eine große Chance etwas Besonderes zu schaffen, auch wenn es immer wieder Neider gibt, die ihm den Erfolg nicht gönnen. Ulrich Franzen, Bremm, hat eine größere Fläche im Bremmer Calmont wiederangelegt und trägt so dazu bei, dass der steilste Weinberg Europas erhalten wird. Dadurch dass ein Klettersteig durch diese Fläche führt, ist dieser Weinberg auch für den Verbraucher "erlebbar" und mit dem Wein kann er ein Erlebnis verbinden. Dies unterstreicht U. Franzen mit dem Angebot, direkt vor Ort seine Weine zu verkosten. Für Ulrich Fuchs aus Pommern ist es wichtig, die Arbeit im Weinberg zu erleichtern. Daher hat er sich für die Umstellung seiner Parzellen auf Querterrassierung entschieden.

Ganz anders Niko Schmitt, Trittenheim, der in der Lage Trittenheimer Apotheke vierzehn kleine und kleinste Terrassen erworben hat um zusammen mit einem Winzerkollegen aus Franken seinen Wein "Jungheld" (ursprünglicher Parzellenname) zu kreieren und als Spezialität zu vermarkten. Etwas Besonderes haben sich sieben junge Genossenschaftswinzer von der Ahr einfallen lassen, sie haben innerhalb der Genossenschaft einen eigenen Wein erzeugt. Auch diese Gruppe hat sich dazu entschieden, eine Steillage von ca. 1.000 Quadratmetern zu roden und neu anzupflanzen. Inzwischen sind 600 m² wiederbepflanzt und die anderen sollen nach einer Trockenmauersanierung noch folgen.

Eine weitere Podiumsdiskussion mit Vertretern des Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP) unterstrich die Vorreiterrolle des Verbandes im Bereich der Spitzenweine. Eine dreistufige Qualitätspyramide legt die Grundlagen für ein eigenes System, das der klaren Profilierung der Prädikatsweine dient. Steffen Chrismann, Präsident des VDP, sieht in der neuen Weinmarktordnung, die im August 2009 in Kraft treten soll, auch eine gute Profilierungsmöglichkeit für Weine aus Steillagen, wenn man sich auf eine Reduzierung der Begriffe einigen kann und die Lagenbezeichnungen nur noch für hochwertige Weine verwendet werden. Denn: "Je enger die geografische Angabe, desto höher müssen die Anforderungen an die Qualität der Weine sein."

Mit einer neuen Geschäftsidee wirbt ein junger Schweizer um Kunden, auch hier stehen hochwertige Produkte im Mittelpunkt. Jean Paul Saija (Giveawine AG, Zürich) übernimmt das Fleurop-Prinzip für Wein, der als das meist geschenkte Produkt gilt. Als beste Start-up Firma in der Schweiz gekürt, macht er sich gerade bei Firmen mit seinem Geschenkservice einen guten Namen. Die Angebote umfassen vor allem Wein und Zubehör, aber auch hochwertige Lebensmittel. Ziel ist es, mit Firmen vor Ort als Lieferservice zu arbeiten um so die Kundenwünsche innerhalb sehr kurzer Zeit zu erfüllen.

Die Winzer der Champagne haben es ebenfalls verstanden, durch ihr Qualitätsstreben und besondere Vorschriften ihre Produkte als Luxus zu hohen Preisen zu vermarkten. Strenge Anbau- und Qualitätsregeln sorgen für ein beschränktes Angebot. Ganz anders sieht es auf dem deutschen Sektmarkt aus, dies machten Barbara Roth (Siebeldingen/Pfalz) und Stephan Steinmetz (Wehr/Mosel) deutlich. Hier gibt es eine Vielzahl von Begriffen und der Verbraucher weiß in den wenigsten Fällen, was er darunter verstehen soll. Vielen Wein- und Sektgütern ist es zwar gelungen ihre Produkte gut zu vermarkten, aber, so betonte Barbara Roth, der Wunsch nach einem einheitlichen Begriff für hochwertige Winzersekte die nach dem traditionellen Flaschengärverfahren gewonnen werden, wäre sinnvoll. So nutzt Stephan Steinmetz den Begriff Crémant für seine Sekte und hat damit, sicher auch durch die Nähe zu Luxemburg und Frankreich, bei seinen Kunden viel Erfolg. Auch in Luxemburg, so Guido Sonntag (Vinsmoselle, Wormeldange) hat man früh erkannt, dass dieser Begriff für hochwertige Sekte sehr positiv aufgenommen wird und sich frühzeitig für einen gesetzlichen Schutz entschieden.

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