Kritik an US-Strafzöllen

Mittwoch, 9. Oktober 2019 - 11:00
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Als Reaktion auf Airbus-Subventionen erheben die USA Strafzölle auf Wein

Im Rahmen des Handelsstreits zwischen der EU und den USA im Luftfahrtsektor haben die amerikanischen Behörden in der Nacht zum 3. Oktober eine Liste mit europäischen Importwaren veröffentlicht, die sie ab 18. Oktober mit Strafzöllen belegen werden. Auch aus Deutschland in die USA exportierte Stillweine werden von dieser Erhöhung der Zölle um 25 Prozent betroffen sein. Die Auswirkungen für den größten Exportmarkt für deutschen Wein werden nicht lange auf sich warten lassen.
»Das ist eine sehr schlechte Nachricht für die gesamte deutsche Weinwirtschaft. Wir bedauern diese Entscheidung, die ein schwerer Schlag gegen den freien Handel ist. Wir gehen davon aus, dass diese Vergeltungszölle kurzfristig zu einer erheblichen Verringerung der Geschäftstätigkeit führen werden, von der sich der Markt nicht so schnell erholen wird. Neben den deutschen Weinproduzenten und -exporteuren werden aber auch die Importeure und die Verbraucher die Leidtragenden sein. Wir werden – gemeinsam mit unseren europäischen Kollegen, den europäischen Dachverbänden – die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten weiterhin bei ihren Bemühungen um eine Verhandlungsposition unterstützen«, so Gerhard Brauer, Vorsitzender des Verbands Deutscher Weinexporteure e.V. (VDW). Für die deutschen Weinexporteure sind die USA weltweit der mit Abstand erfolgreichste Exportmarkt. Im Jahr 2018 wurden rund 171.000 Hektoliter Wein im Wert von 71 Mio. Euro in die USA ausgeführt. Das entspricht 17 Prozent der insgesamt von Deutschland exportierten Weinmenge und 23,3 Prozent des Gesamtwertes deutscher Weinexporte. Zudem ist Deutschland Hauptimportland Nummer 1 für Wein, wovon auch die Hersteller amerikanischer Weine nicht unerheblich profitieren.
»Dieser Konflikt steht in keinem Zusammenhang mit unserer Branche. Wir verurteilen, dass landwirtschaftliche Produkte wie Wein in diesen Konflikt verwickelt werden und so die Leidtragenden von Vergeltungsmaßnahmen sind. Es muss unverzüglich eine Verhandlungslösung gefunden werden, die diese willkürlichen Zölle beseitigt. Wir fordern daher die EU-Institutionen und Behörden auf, während der Lösung dieses Konflikts Maßnahmen zu ergreifen, um die betroffenen Sektoren zu unterstützen und um die negativen Auswirkungen dieser zusätzlichen Zölle zu begrenzen«, fügte Christian Schwörer, Geschäftsführer des VDW, hinzu.
Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner äußerte sich kritisch gegenüber dem Vorgehen der USA: »Dass unsere Landwirte in einen Streit um Flugzeugsubventionen hineingezogen werden, ist für mich nicht hinnehmbar. Zumal die Vereinigten Staaten der Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks schaden. Wenn sich die Zollspirale dreht, werden auch die Verbraucher in den USA den Preis dafür zahlen«, so Klöckner. Deutschland habe stets eine Verhandlungslösung befürwortet und tue dies weiterhin. Für 2020 stellte Klöckner Strafzölle der EU auf Waren der Firma Boeing in Aussicht. Den Landwirten versprach sie politische Rücken­deckung. -hk-

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