Klöckner setzt sich für Neue Rebsorten ein

Donnerstag, 20. August 2020 - 10:30
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v.l.n.r: Dr. Koehler, Dr. Töpfer, Klaus Schneider und Bundesministerin Klöckner in den Versuchsflächen des JKI in Siebeldingen (Foto:Kehrer)

Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, besuchte am 19. August den Rebforschungsstandort Geilweilerhof des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Siebeldingen. Im Mittelpunkt des Besuchs standen die Züchtung neuer Rebsorten sowie die Digitalisierung im Weinberg.

Prof. Dr. Reinhard Töpfer, Institutsleiter der Rebenzüchtung (JKI), präsentierte stolz die aktuellen Forschungsvorhaben und die von seinem Team gezüchtete Rebsorte „Calardis Blanc“, welche seit März dieses Jahrs sogar saatgutrechtlich zugelassen ist.

Auch JKI-Präsident Prof. Dr. Frank Ordon war zu dem Termin in die Versuchsflächen des Geilweilerhofes in die Pfalz gekommen. Er betonte die lange Züchtungsdauer von 25 bis 30 Jahren bei Reben und dass es wichtig sei nachhaltige Lösungen zur Gesundhaltung der Reben zu finden.

Am Beispiel des Calardis Blanc erkenne man wie wichtig die Arbeit des JKI ist, so die Bundesministerin Klöckner. Vor allem im Hinblick auf nachhaltigen Weinbau und Ressourceneinsparung sei die Pflanzenschutzmitteileinsparung ein großer Schritt in die richtige Richtung. Außerdem ging Klöckner in ihrem Statement auch auf den Kabinettsbeschluss zum Weingesetz am Morgen des 19. August ein.

Weine aus Versuchsanbau keine Qualitätsweine? 

Während der anschließenden Weinprobe sprachen die Teilnehmer über Möglichkeiten Weine aus Neuen Rebsorten besser zu vermarkten und wie man Kaufanreize setzen könne. Der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, Klaus Schneider, brachte zur Sprache, dass der Punkt des Versuchsanbaus im Weingesetz noch nicht ausreichend geklärt sei. Laut der aktuellen Fassung sei eine Vermarktung als Qualitätswein mit Trauben aus Versuchsanbau nicht möglich. Diese Tatsache würde die Erzeuger daran hindern solche Rebsorten anzupflanzen, so der DWV-Präsident. Er fordert vom Ministerium eine Lösung zu finden, ohne das Unionsrecht zu brechen.

Auch Reinhard Töpfer betonte, dass es seine Arbeit deutlich erleichtern würde, wenn es mehr engagierte Winzer gäbe, die frühzeitig neue Rebsorten anpflanzten. „Wir sind angewiesen auf junge, aufgeschlossene Kooperationspartner und unterschiedliche Standorte.“, so Töpfer. Er verwies auch auf die Möglichkeit die Staatsweingüter und die DLR´s hierfür zu gewinnen.

Aktuelle Forschungen am JKI Geilweilerhof

Dr. Oliver Trapp visualisierte den Verbrauch an Pflanzenschutzmittel über die Jahre. Mit der Rebsorte Calardis Blanc ist es bereits heute möglich, nur noch 30 Prozent der Pflanzenschutzmittel zu verwenden, als es z.B. bei Rebsorten wie dem Riesling der Fall ist. Für die Zukunft prognostizierte er sogar eine Reduktion auf bis zu 10 Prozent. Solche Rebsorten seien bereits in der Züchtung, allerdings vermutlich erst in etwa 10 Jahren spruchreif, erklärte Töpfer.

Dr. Katja Herzog hat ein Testverfahren entwickelt, das in weniger als einer Sekunde den Oberflächenwiderstand der Beeren festzustellen. Diese gibt aufschluss auf die Beerenhautdicke und somit die Botrytisfestigkeit der Beeren. Außerdem visualisierte Sie die unterschiedlich dicke Wachsschicht auf den Beeren mit eine kleinen „Experiment“. Diese Wachse auf der Oberfläche sind unter anderem wichtig für die Sonnenbrandgefahr.

Dr. Anna Kicherer stellte der Ministerin einen Handsensor zur Reifemessung im Weingut vor. Auf diese Weise können Daten wie Oechsle, Säure und Erntemenge schnell und einfach digital im Weinberg bestimmt werden.

Auch der Phenoliner, ein umgebauter Traubenvollernter, wurde vorgestellt: Dieser ist ausgestattet mit Sensoren, die Daten schon während der Ernte ermittelt. So könnte in Zukunft auch eine selektive Lese auf dem Vollernter realisiert werden. -jk-

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