Klimaschutz: Es kommt nicht auf die Größe an

Donnerstag, 23. Dezember 2010 - 12:00

Pro Liter Wein hinterlassen fränkische Winzer einen CO2-Fußabdruck von 1,01 Kilogramm. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der Fa. ClimatePartner im Auftrag des Fränkischen Weinbauverbandes und der LWG Veitshöchheim.

Basis des Pilotprojektes, bei dem alle relevanten produktbezogenen Emissionen auf allen Stufen des Wertschöpfungsprozesses berücksichtigt wurden, waren 14 fränkische Weinbaubetriebe und Winzergenossenschaften, die zusammen 2.595 ha repräsentieren und damit rund 45 Prozent der fränkischen Rebfläche. "Es geht hierbei nicht um Aktionismus, sondern um eine Strategie", stellt Weinbaupräsident Arthur Steinmann klar. Man wolle eine Branchenlösung, keine Einzellösung, unterstreicht Steinmann, der davon ausgeht, dass die Ergebnisse auch auf andere Regionen übertragbar sind. Dr. Hermann Kolesch von der LWG Veitshöchheim formuliert den zentralen Antrieb des Projektes: "Wir wollten wissen, welchen Beitrag der Weinbau zur Vermeidung der Klimakatastrophe leisten kann."

Simon Köppen von der Klimaberatung ClimatePartner hat Antworten parat: Den Untersuchungen zufolge liegt der Anteil "Unternehmensbezogener Emissionen" bei rund einem Viertel, insbesondere Heizung und Fuhrpark erwiesen sich als klimarelevant (15,8%). Der größere Anteil, drei Viertel, geht allerdings auf das Konto der "Produktbezogenen Emissionen", hier schlagen vor allem die Positionen Abfüllung (Flaschenglas!) mit 43,7 Prozent und Weinbau (Unterstützungsmaterial, Metall!) mit 17,9 % zu Buche. In der Konsequenz will sich die fränkische Weinwirtschaft nun verstärkt den Erneuerbaren Energien (Windkraft, Photovoltaik, Biomasse) zuwenden, möglicherweise auf Basis einer Betreibergesellschaft, berichtete Prof. Dr. Ulrich Müller-Steinfahrt von der FH Würzburg-Schweinfurt, die außerdem mit einen Internet-basierten CO2-Rechner in Sachen Beschaffungslogistik für klimatische Transparenz sorgen möchte. Entwickelt werden sollen des Weiteren andere Verpackungsformen als Alternative zur energieaufwändigen Glasflasche.

Im Vergleich, so Simon Köppen von Climate Partner, stehe die fränkische Weinwirtschaft gut da. Wie jeweils der einzelne Betrieb abschneide, sei dabei keine Frage der Größe sondern des Managements, also der Bewirtschaftungsweise. Die Schwankungsbreite des CO2-Footprints umgerechnet auf einen Liter Wein wird mit 0,8 bis 1,2 kg CO2 angegeben. Zum Vergleich: Für Kollegen in Österreich hat das Unternehmen jüngst einen Wert von 1,65 kg errechnet - Hintergrund dieses höheren Wertes seien die deutlich geringeren Erträge im Nachbarland. Wein aus Neuseeland bzw. Australien emittiert laut eigener Etikettierung, 1,12 bis 1,52 kg CO2. Treibhausgase, die während des Transportes ins deutsche Supermarktregal freigesetzt werden, sind hier allerdings nicht eingerechnet.

Quelle: DDW / web

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