Ausgabe 18/2017

Mittwoch, 30. August 2017 - 15:45

Gnadenlos...

Eigentlich wollte ich heute einen Kommentar zur Rentabilität deutscher Weinbaubetriebe schreiben, die Dr. Jürgen Oberhofer vom DLR Rheinpfalz untersucht hat und die er in seinem jährlichen Agrarbericht ab Seite 28 darstellt. Es gibt zwar durchaus positivere Nachrichten als die, dass nur 40 Prozent aller Betriebe einen befriedigenden Gewinn erzielen und mehr als 8 Prozent für das Geschäftsjahr 2015/16 sogar ein negatives Ergebnis ausweisen. Auch die Situation der Fassweinbetriebe bietet keinen Anlass zur Euphorie, da sie sich nicht zum Besseren entwickelt hat.
Leider gibt es aber noch deutlich schlechtere Nachrichten, ganz aktuell für Weinbaubetriebe aus dem Wonnegau. Dort hat am Wochenende im Kreis Alzey-Worms rund um die Gemeinde Gundersheim ein Unwetter gewütet. Etwa 350 Hektar Weinberge sind nach ersten Schätzungen durch Starkregen und Sturmböen total zerstört und weitere 1.000 Hektar massiv in Mitleidenschaft gezogen worden. Das ist bitter, so kurz vor der Lese - besonders nach der ganzen Arbeit, die die Winzer in die Optimierung des Lesegutes gesteckt haben. Die einzige Option, die ihnen jetzt bleibt, ist sofort und schnell zu lesen, um wenigsten einen Teil der Ernte zu sichern. Dabei ist es allerdings wichtig, die Wartezeiten für Pflanzenschutzmittel zu beachten. Ob diese »Notlese« reichen wird, um ein positives Betriebsergebnis zu erzielen, kann momentan wohl niemand so recht beurteilen. Aber solche Ereignisse können Betriebe in arge Bedrängnis bringen. Im schlimmsten Fall bedeuten sie sogar das Aus. Außerdem führen sie uns immer wieder vor Augen, wie gnadenlos die Natur sein kann und wie machtlos wir dagegen sind. Ich hoffe, dass die Gundersheimer doch noch einige Weine auf die Flasche bringen und wünsche allen anderen mehr Glück mit diesem Jahrgang und ein positives Betriebsergebnis. 

 

Holger Klein
Stellv. Chefredakteur
klein@meininger.de

Inhalte dieser Ausgabe

Plötzliches Rebsterben

Peronosporainfektionen aus dem Vorjahr und aktuelle Spätfrostschäden sorgen für Folgeprobleme in Junganlagen. Die zweijährigen Reben stagnieren zunächst im Wuchs, dann vergilben sie und sterben ab. Die Ursache sind oft Stammschäden.

Hefeernährung

Ist der Einsatz von Komplexnähr­stoffen zur Ernährung von Hefezellen während der alkoholischen Gärung sinnvoll?

Drehscheibe

Bei hohen Trubgehalten stößt die herkömmliche Crossflowfiltration an ihre Grenzen. Hier beginnt der Einsatzbereich dynamischer Systeme.

Arsen im Wein?

Gesundheitsgefährdung durch Schwermetalle: Woher kommt Arsen im Wein und was kann man dagegen tun?

Gewinne brechen ein

Rentabilität: Bei den Fasswein vermarktenden Betrieben ging der Gewinn am stärksten zurück.