Ausgabe 06/2019

Freitag, 15. März 2019 - 6:00

Für eine Hand voll Euro

ddw6/2019

Der Italo-Western von Sergio Leone mit Clint
Eastwood in der Hauptrolle ist einer der wenigen,
die ich überhaupt kenne. Vielleicht sollte
ich das ändern, denn ich las gerade, dass dieses
Genre wieder im Kommen ist. Außerdem
haben der Weinbau und der Wilde Westen mehr gemein als
man auf den ersten Blick vermutet, aber dazu kommen wir
später.
Ich jedenfalls gehe statt fernzusehen lieber in Weinstuben,
sie sind die Saloons unserer Zeit, denn sie sichern eine geregelte
Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme und man tri t
dort meist interessante Gesprächspartner.
Bei uns in der Pfalz sind das nicht selten
Winzer. Umso besser, denn so kann man
beim Riesling gleich Neuigkeiten austauschen.
Neulich kam ich mit einem Winzer
auf eine Stellenausschreibung seines Betriebs
zu sprechen. Mich interessierte natürlich,
ob er ündig geworden war. Seine
Antwort el ernüchternd aus, denn es hatte sich überhaupt
keiner gemeldet. Erklären konnten wir uns das beide nicht,
schließlich ist sein Betrieb nicht unbekannt und er selbst erzeugt
hochwertige Weine und ist zudem recht gut vernetzt.
Woran also liegt es, dass es keine Bewerber gibt? An der Bezahlung,
an den Ansprüchen, der Branche oder der allgemeinen
Situation auf dem Arbeitsmarkt? Weil wir keine schlüssige
Erklärung fanden, nahm ich mir am nächsten Morgen
die Arbeitsmarktzahlen des Statistischen Landesamtes vor.
Eine Erhebung von Ende 2017 bestätigte, dass die Erwerbstätigkeit
einen neuen Höchststand erreicht hat. Erstmals
seit 25 Jahren waren im Bundesland weniger als 100.000
»Erwerbspersonen« arbeitslos gemeldet. Das sind mehr als
doppelt soviele Menschen, als in der rheinland-pälzischen
Land- und Forstwirtschaft beschäftigt sind, aber sie stehen
deshalb natürlich nicht automatisch ür den Arbeitsmarkt zur
Verügung. Neben der Landwirtschaft gibt es auch Branchen,
die teilweise kräftig wachsen und folglich auch Arbeitskräfte
suchen. Die Statistik weist das größte Wachstum ür den
Dienstleistungssektor aus, gefolgt von Handel und Baugewerbe.
Aber welche Verdienstmöglichkeiten bieten die einzelnen
Branchen?
Für die Landwirtschaft belastbare Zahlen zu nden, ist
nicht einfach, denn in Rheinland-Pfalz gibt es keinen gültigen
Tarifvertrag. Was es gibt ist eine Bundesempfehlung. Aus
der kann man gewisse Ecklöhne ableiten. Das Gehalt eines
Außenbetriebsleiters bspw. bewegt sich in den Gruppen 7 bis
9. Je nachdem, ob er Meister, Techniker oder Fachhochschulabsolvent
ist. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das einen Stundenlohn
zwischen rund 16 und 22 Euro. Vergleicht man diesen
mit den durchschnittlichen Löhnen anderer Branchen,
wird schnell klar, dass die Bezahlung sicher nicht der Faktor
ist, der ür die Arbeit im Weinbau spricht. Denn selbst die Angestellten
im Gesundheitswesen verdienen
laut Statistik im Schnitt 21,91 Euro brutto,
die Spitzenverdiener der chemischen Industrie
sogar 36,57 Euro. Kein Wunder
also, dass sich viele gegen die vergleichsweise
harte körperliche Arbeit im Weinbau
entscheiden.
Dabei haben wir den anderen Branchen
einiges entgegenzusetzen! An diesem Punkt kommen wir
wieder zum Western. Warum wollte denn als Kind fast jeder
Cowboy sein? Ganz klar: Ein Cowboy ist eins mit der Natur,
steht ür Freiheit und Abenteuer und kommt außerdem ziemlich
cool daher. Nah an der Natur sind auch wir, mehr Freiheit
als in der Prairie verspürt man nur im
Weinberg und was ist cooler als mit dem
Schlepper zu cruisen? Trotzdem reicht
es wohl nicht aus, einfach ein paar Euro
mehr auszugeben, um gute Leute zu bekommen.
Die Branche muss mehr unternehmen.
Was das sein könnte, darüber
spreche ich mit Prof. Dr. Dominik Durner
(S. 46 .). Er bildet den Nachwuchs aus
und hat sich folglich intensiv mit
der Thematik befasst. F

Inhalte dieser Ausgabe

Foto: M. Porten
Applikationstechnik

Unsere Autoren zeigen, wie man in der Schweiz mit der Applikation durch Spritzdrohnen umgeht

Foto: M. Petgen
Weinbau

Anpassungsstrategien gegen langanhaltende Trockenphasen

Foto: Ralf Ziegler
Mundus Vini

Die Erfolge deutscher Winzer beim Großen Internationalen Weinpreis Mundus Vini

Foto: DLR Rheinpfalz, Kortekamp
pflanzenschutz

Übersichtstabellen und Strategien für die Saison 2019

Foto: Stephan Presser
Interview

Prof. Dr. Dominik Durner zur Arbeitsmarktsituation in der Weinbranche