Ausgabe 04/2020

Freitag, 14. Februar 2020 - 12:00

Was muss künftig aufs Etikett?

ddw04-2020

Die Reform des deutschen Weinbezeichnungsrechts
war das Schwerpunktthema auf den diesjährigen
Weinbautagen. Die Diskussionen zeigten,
dass die Branche hart um Kompromisse ringen
muss, um mit einer Stimme sprechen zu können.
Auch in Brüssel wird weiter an Regelungen gearbeitet, die Konsequenzen
für die Gestaltung des Etiketts haben werden. Die
Diskussion um die Kennzeichnung von Brenn- und Nährwert
sowie Zutaten ist noch nicht beendet.
Zur Erinnerung: Die EU-Kommission hatte die Alkoholbranche
bereits 2017 aufgefordert, einen Vorschlag zur Selbstregulierung
für eine Nährwert- und Zutatendeklaration von alkoholischen
Getränken vorzulegen. Der Weinsektor hat sich nach
Ausarbeitung eines Vorschlags erfolgreich bei den europäischen
Institutionen dafür eingesetzt, dass das Thema im Rahmen
der GAP-Reform aufgegriffen und verpflichtende weinspezifische
Bestimmungen in ihren Vorschlägen vorgesehen
werden. Die Angabe der Nährwertdeklaration (beschränkt auf
Kalorien) soll demnach künftig auf dem Etikett, die Mitteilung
der Zutatenliste dagegen auf elektronischem
Wege außerhalb des Etiketts erfolgen. Damit
hat die Weinbranche einen anderen Weg bestritten
als die Bier- und Spirituosenbranche,
die sich durch entsprechende Initiativen im
letzten Jahr (nur) für eine freiwillige Kennzeichnung
entschieden haben.
Aus verschiedenen Gründen ist es unwahrscheinlich,
dass die neue GAP vor 2021 verabschiedet
wird. Auch deshalb arbeiten die europäischen Dachverbände
derzeit Vorschläge für die Zusammensetzung einer
Zutatenliste aus, die dann Gegenstand der von der Kommission
zu verabschiedenden delegierten Rechtsakte sein könnten.
Die Praxistauglichkeit und die allgemeine Akzeptanz (auch
durch die WHO) soll so verbessert werden.
Welche Erwartungen und Nutzen hat der Verbraucher?
Welchen Mehrwert hat eine Zutatenliste, wenn mit ihr oenologische
Verfahren dem Verbraucher nicht erklärt werden
können? Wie kann der Verbraucher bei Lektüre der Zutatenliste
verstehen, dass der zur Anreicherung verwendete Zucker
(vollständig) in Alkohol umgewandelt wurde, und dass er trotz
der Zu- bzw. Angabe von Zucker auf dem Etikett einen trockenen
Wein im Glas hat? Keine leichte Aufgabe! Unterschiede
im Anreicherungsverfahren in den südlichen und nördlichen
Weinbauländern (RTK gegen Saccharose) erschweren die Diskussion.
Hier darf keiner Wettbewerbsnachteile erleiden!
Und wie wird der Verbraucher auf die Kommunikation von
Nährwert- und Zutatenangaben reagieren? Wird er tatsächlich
sein Kaufverhalten ändern? Oder wird er – wenn überhaupt
– nur kurzfristig auf neue Angaben reagieren? Für den Erzeuger
bleibt entscheidend, dass die zusätzliche Verpflichtung ihn
nicht mit weiteren bürokratischen Anforderungen oder unverhältnismäßig
hohen Kosten belastet.
Auch wenn es um das nationale Weingesetz geht, wird weiter
über Erwartungen und Reaktionen der Verbraucher auf
neue Bezeichnungen auf dem Etikett diskutiert. Einfacher und
transparenter sollen die Bezeichnungen für den Verbraucher
werden – dazu gehört auch, dass die Herkunftsstufen sich in
Zukunft in ihrer Bezeichnung klar voneinander unterscheiden
lassen. Anlass zu Diskussionen gibt weiterhin der künftige Umgang
mit der Großlage. Als Kompromiss soll ein vierstufiges
Herkunftssystem geschaffen werden, in dem die Großlage mit
einer Zusatzbezeichnung versehen werden
soll, die deutlich machen soll, dass es sich im
Gegensatz zu einem (Einzel-) Lagenwein um
einen Wein mit regionalem Charakter handelt.
Übergangszeiten könnten dabei genutzt
werden, um den Verbraucher
langsam an neue Bezeichnungen
heranzuführen.
Das wird aber nicht
von allen Erzeugern so gesehen. Wichtig
wäre, dass die Branche sich verständigt
und anschließend mit einer Stimme
spricht – ohne einfaches, herkunftsbezogenes
und qualitätsorientiertes System
steuert Deutschland insbesondere auch
international aufs Abstellgleis. F

Inhalte dieser Ausgabe

Foto: Getty Images/iStockphoto
Verschlüsse

So nehmen Kunden die Qualität von Dreh- und Glasverschlüssen wahr

Foto: L. Jäger
Biodiversität

Die Bestäubung – ein wichtiges Glied in der Nahrungskette. Welche Insekten in Weinbergen unterwegs sind.

Foto: M. Porten
Technik

Schwerpunkt des ersten Teils des Nachberichtes aus Nieder-Olm sind Bodenbearbeitungsgeräte.

Foto: Comugnero Silvana - stock.adobe.com
Marketing

Mit strategischer Preisgestaltung den Betriebserfolg erhöhen