Ausgabe 01/2020

Dienstag, 7. Januar 2020 - 6:00

»Du hast drei Wünsche frei…«

ddw01-2020

In wie vielen Märchenerzählungen meiner Kindheit tauchte dieses Motiv auf! Die Hauptfigur begegnet einer guten Fee, die ihr dieses verlockende Angebot macht: Du hast drei Wünsche frei. Die Heldin bzw. der Held musste sich dann spontan überlegen, was ihr oder ihm besonders wichtig war. Blicke ich auf die brennenden Themen der Weinbranche 2019 zurück, wie zum Beispiel das Insektenschutzprogramm, die Anpassung der Düngeverordnung, die neuen Anwenderschutzbestimmungen oder die Reform des Bezeichnungsrechts, fallen mir spontan meine drei Wünsche für 2020 ein: Oben auf meiner Liste steht der Wunsch nach mehr Kompromissbereitschaft und mehr Mut für innovative Konzepte in der Weinbranche. Hier denke ich vor allem an die derzeitige Diskussion zur Weingesetzreform. Die Branche war geschlossen angetreten, das alte Bezeichnungssystem in ein neues herkunftsorientiertes Qualitäts- und Bezeichnungssystem zu überführen. Dabei sollte insbesondere das Bezeichnungsrecht vereinfacht werden, um Transparenz für Erzeuger und Verbraucher zu schaffen. Eine umfassende Reform bedeutet Veränderung für alle. Das muss allen klar sein! Und ohne eine gewisse Kompromissbereitschaft wird es nicht funktionieren. Dabei müssen wir uns vielleicht von dem einen oder anderen Vermarktungskonzept verabschieden, das nicht mehr in das neue Gesamtkonzept passt. Aber Veränderung ist auch immer eine Chance. Wir sollten daher die einmalige, uns jetzt gebotene Chance, nicht verpassen, das Weingesetz zukunftsfähig und vermarktungsorientiert zu gestalten. Außerdem wünsche ich mir mehr Dialogbereitschaft, mehr gegenseitigen Respekt und mehr Anerkennung für die Weinbranche. Der Weinbau bzw. die Landwirtschaft insgesamt fühlen sich aktuell vom Markt getrieben, von der Gesellschaft geächtet und von der Politik verlassen. Von uns wird die Quadratur des Kreises verlangt. Klimaschutz wird gefordert, aber neue Pflanzenzüchtungen oder moderner Pflanzenschutz werden von der Gesellschaft abgelehnt. Ich 
wünsche mir, dass die Gesellschaft erkennt, dass sie eine entscheidende Variable bei der Gleichung Nachhaltigkeit ist. Zudem müssen Fakten und Wissenschaft und nicht Ideologie oder lautstarke Unmutsbekundungen das politische Handeln bestimmen. Wir stehen bereit zum Dialog, um Praxiserfahrung einzubringen. Wir hoffen, dass dieses Angebot 2020 noch häufiger als in diesem Jahr angenommen wird. Schließlich wünsche ich mir für 2020 mehr Verbindlichkeit in der Weinbranche. Zu meinem Bedauern musste ich feststellen, dass in der heutigen Zeit im Konsens getroffene Entscheidungen oft nicht mehr als verbindlich angesehen und folglich auch nicht umgesetzt werden. Natürlich gehen die Interessen in unserer heterogenen Branche oft auseinander und die Bündelung der Interessen ist eine große Herausforderung. Aber unser System kann nur funktionieren, wenn eine gemeinsam gefasste (Mehrheits-) Entscheidung respektiert wird und dann nicht nur bis zum Verlassen des Sitzungssaals Bestand hat. Ich hätte noch weitere Wünsche, doch die Fee hat mir nur drei gegeben. Kehren wir damit zu den Märchen aus meiner Kindheitserinnerung zurück. Auch wenn die Erzählungen oft grausam waren, hat mich beim Zuhören immer der Gedanke daran beruhigt, dass am Ende alles gut wird. Und wenn es noch nicht gut wurde, so war es noch nicht das Ende. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute für 2020 und wünsche uns, dass wir alle Herausforderungen in diesem Jahr erfolgreich meistern werden. F
 

Inhalte dieser Ausgabe

Foto: M. Porten
Technik

Teil 1 des Messerückblicks der SITEVI in Montpellier präsentiert Neuheiten der Weinbautechnik
 

Spezial agrar- und Weinbautage

Programmhinweise und Ausstellerinformationen zu den Agrar- und Weinbautagungen 2019 

Foto: C. Kleber
Weinbau

Welche Vorteile es hat, pilzwiderstandsfähige Rebsorten im Minimalschnitt zu bewirtschaften
 

Foto: New Africa – StockAdobe.com
Betriebswirtschaft

Arbeitszeit und Kosten bei der Weinbereitung:  So teuer ist es, eine Flasche Wein zu produzieren