Ausgabe 01/2019

Freitag, 4. Januar 2019 - 6:00

Neue Herausforderungen und Chancen

ddw1/2019

Jeder Neuanfang birgt neue Möglichkeiten und neue
Impulse. Eine CDU mit neuer Parteivorsitzenden,
eine EU (vermutlich) ohne Großbritannien und ab Mai
mit einem eventuell europakritischeren Parlament,
der Deutsche Weinbauverband mit neuem Generalsekretär
und der ddw mit neuer Chefredaktion – im Jahr 2019
beginnt eine neue Ära! Was aber kommt auf die Winzer zu?
Die Veränderungen der klimatischen Gegebenheiten waren
in den letzten Jahren immer stärker zu spüren. Nach
dem Spätfrostjahr 2017 war der Weinbau im Jahr 2018 zwar
(noch) Nutznießer von der langen Trockenphase und der
andauernden extremen Hitze, der sogenannten »Heißzeit«.
Dieses Jahr könnte das durch erneute Extremwetterereignisse
oder neue Schadorganismen jedoch schon wieder ganz
anders aussehen. Möglichkeiten des Risikomanagements
im Weinbau, wie z.B. Hagelabwehr, Bewässerung,
Schutz vor Pflanzenkrankheiten
oder der Züchtung neuer Rebsorten, müssen
daher weiter diskutiert werden. Dafür
sollten wir auch 2019 den Austausch mit
den Ländern des Donauraums nutzen, der
im vergangenen Jahr auf dem 63. Internationalen
DWV-Kongress angestoßen wurde.
Ergebnisse dieses Austausches können als
Grundlage für verschiedene, aufeinander
abgestimmte privatwirtschaftliche und staatliche Instrumente
dienen. Klar ist jedoch, dass jeder Winzer für die
Entwicklung seines individuellen, auf ihn angepassten Risikomanagements
selbst verantwortlich ist.
Mehr Selbstverantwortung wird 2019 auch auf die Schutzgemeinschaften
zukommen. Mit Freude habe ich Ende letzten
Jahres die Gründung von zwei weiteren Schutzgemeinschaften
– am Mittelrhein und an der Mosel – vernommen.
Diese werden künftig die Lastenhefte der beiden geschützten
Ursprungsbezeichnungen verwalten und weiterentwickeln.
Die Schutzgemeinschaften waren Ende 2015 mein
erstes großes Projekt beim DWV – hätte ich damals gedacht,
dass Ende 2018 in vielen Gebieten diese Strukturen etabliert
sind? Bald sind in allen Gebieten die Voraussetzungen für
das aktuelle DWV-Vorhaben, der Profilierung der Herkunft,
geschaffen. Auf dem Weg zu einer kleineren geographischen
Herkunft, die dann tatsächlich zu einem (höheren) Qualitätsnachweis
wird und somit ein für den Konsumenten transparentes
herkunftsorientiertes abgestuftes Qualitätssystem
entsteht, kommt den Schutzgemeinschaften eine zentrale
Rolle zu. Jedes Gebiet kann bzw. muss sein eigenes Profil
entwickeln und zunächst überlegen, welche Kriterien dabei
entscheidend sein sollten. Selbstverantwortung bedeutet
aber nicht, dass der Staat sich vollkommen aus der Verantwortung
zieht. Er ist zunächst in der Verantwortung, wenn
es darum geht, im Weingesetz einen Rahmen für die Schutzgemeinschaften
zu schaffen, in dem sie sich in Ihrem Profilierungsprozess
bewegen können. Auch wird er weiterhin
Kontrollaufgaben übernehmen. Die Gestaltung und Profilierung
der Gebiete liegt aber in den Händen
der Erzeuger. Diese müssen in den Diskussionen
innerhalb der Schutzgemeinschaften
bereits jetzt den Grundstein legen und
erste Weichen stellen.
Jeder Anfang mag schwer
sein, aber »jedem Anfang
wohnt bekanntlich ein
Zauber inne…«, wie
es Hermann Hesse in seinem Gedicht
»Die Stufen« beschrieb. Nutzen wir also
diesen Zauber und packen die Herausforderungen
für 2019 gemeinsam an.
Ihnen allen einen guten Start! 

Inhalte dieser Ausgabe

Foto: J. Brugger und M. Porten
Technik

Diese Innovationen wurden auf der Intervitis 2018 vorgestellt

Foto: J.Brugger
Spezial Agrar- und Weinbautage

Programmhinweise und Ausstellerinformationen zu den Agrar- und Weinbautagungen 2019

Foto: B. Schandelmaier
Weinstilistik

Süßwein: Weine aus getrockneten Trauben ermöglichen auch in Deutschland neue Weinstile

Foto: Fotolia / caftor
Marktforschung

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