[ Reif für die Insel ]

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01
2018
Sonntag, 12. Mai 2019 - 17:45
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Spirituosen
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[Früher war nicht alles besser]

 

Vielleicht ist es gerade diese üppige Vielfalt auf kleinstem Raum, die Whiskyfans in aller Welt begeistert und etliche davon die manchmal etwas abenteuerliche Reise auf die Insel antreten lässt. Abenteuerlich deshalb, weil bei zu tief hängenden Wolken, etwas Nebel oder zu starkem Wind der Flughafen (wenn man diese Piste so nennen möchte) schnell mal dicht gemacht wird und auch die Fähren bei entsprechendem Wetter lieber im Hafen bleiben. Dennoch ist der Whisky-Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen der Insel. Das war nicht immer so. In den 1980er Jahren, als der Single Malt am Boden lag, stand es auch auf Islay schlecht um das Touristenziel Nr. 1, die Brennereien. Einige überlebten, etwa durch die Produktion von Whiskys für große Blended Scotch-Marken, z.B. Bunnahabhain oder CaolIla, andere, darunter auch Größen wie Arbeg, Port Ellen oder Bruichladdich raffte die Rezession dahin. Besonders bewegt war diese Zeit dabei für ein heutiges Aushängeschild der Insel: Die an der Südküste in Port Ellen beheimatete Ardbeg Distillery.

Schon 1981, zu Beginn der Rezession, wurde die Brennerei vom damaligen Inhaber Allied Distillers vom Netz genommen, im November 1989 allerdings wiedereröffnet, jedoch ohne die eigene Mälzerei. Das Problem an der Sache: Brennmeister oder festes Personal gab es nicht. Um die Destillerie aber nicht dem in dem feuchten Klima rasant fortschreitenden Verfall auszusetzen, halfen die Kollegen der benachbarten Laphroaig-Distillery aus. Der damalige Manager Iain Henderson schickte seine Leute regelmäßig – teilweise aber auch nur für wenige Wochen im Jahr – rüber in die knapp fünf Minuten entfernte Ardbeg Destille um dort Whisky zu brennen. Konkurrenzdenken gab es damals wie heute also kaum. Vielleicht ist auf einer so kleinen Insel für solcherlei Kinkerlitzchen aber auch einfach kein Platz? Jedenfalls gingen trotz aller Nachbarschaftshilfe bei Ardbeg 1996 abermals für ein gutes Jahr die Lichter aus, bis die Brennerei 2004 schließlich an den heutigen Besitzer Moët Hennessy Louis Vuitton verkauft wurde, der ihr wieder zu altem Glanz verhalf.

Einen kleinen Einblick in diese wilden Zeiten, als nur der hilfsbereite Nachbar die Brennerei am Leben hielt, liefert übrigens der Ende letzten Jahres erschienene Ardbeg Twenty Something, ein 23-jähriger Single Malt aus eben jener Phase. Zwar hat er durchaus Ardbeg-typische Charakterzüge, manch einer findet darin aber auch einen etwas kantigeren, griffigeren Einschlag, wie man ihn – wen wundert’s – von Laphroaig her kennt.

 

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