Anspruchsvoll: Das Nassplattenverfahren, dem sich der Fotograf Niklas Hlawatsch verschrieben hat, führt zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Foto: Hlawatsch
Anspruchsvoll: Das Nassplattenverfahren, dem sich der Fotograf Niklas Hlawatsch verschrieben hat, führt zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Foto: Hlawatsch

Zeitsprung - Die Passion des Fotokünstlers Niklas Hlawatsch

Der Essener Fotokünstler Niklas Hlawatsch lässt in seinen Werken auf einzigartige Weise Bier- und Fotokultur miteinander verschmelzen. Seine Technik führt zurück in die Anfangszeit der Fotografie.

Text: Benjamin Brouër, Fotos: Niklas Hlawatsch

Wenn Niklas Hlawatsch seine sperrige Ausrüstung in seinen Wagen lädt und sich aufmacht, um eines seiner charaktervollen Bilder zu produzieren, hat das mit der modernen, digitalen Fotografie etwa so viel zu tun wie traditionelles handwerkliches Brauen mit dem auf Ausbeute fixierten High Gravity Brewing. Er erstellt chemische Emulsionen nach historischen Rezepten, beschichtet damit Metallplatten (Tintypes), belichtet diese in einer historischen Großformatkamera und entwickelt die Bilder umgehend in einer mobilen Dunkelkammer. In einem anspruchsvollen handwerklichen Prozess entstehen so Kunstwerke aus Licht und Chemie auf Metall. Kollodium-Nassplatten-Verfahren heißt die Technik im Fachjargon, sie führt zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts, zurück zu den Ursprüngen der Fotografie.

„Was mich jedes Mal fasziniert an dieser Fotografie: Bei aller Perfektion, bei allem Handwerk, bei aller Übung – der Zufall hat eine Chance“, erzählt der Fotokünstler. „Es ist keine reine Technik, es ist etwas Organisches.“ Die Nähe zum traditionellen Brauhandwerk drängt sich geradezu auf, bei Hlawatsch mündet sie im Projekt „Crafted“, für das er im Laufe der Zeit Hopfenbauern, Bierbrauer, Sommeliers, Kneipiers und Bierenthusiasten in ihrer Umgebung portraitiert. Menschen, die sich mit ihrer Begeisterung für Bier einem Genussmittel mit Tradition verschrieben haben, sich mit dem Traditionellen aber nicht zufriedengeben. Die erste Fotoreihe des Projekts, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, führte Hlawatsch im Februar 2020 nach Utrecht, wo er Akteure aus der dortigen Bierszene portraitierte: von zwei Brew-Punks, die ein ehemaliges Prostitutionsboot zum Brewpub umbauten, bis zur Inhaberin des lokalen Bier-Hotspots.

Sein Blick richtet sich stets auf den handwerklichen Prozess, das präzise Vorgehen, um ein individuelles, sinnlich erfahrbares Produkt herzustellen. Die Nassplatten-Technik, bei der er die verschiedenen Persönlichkeiten vor die historische Messinglinse holt, ist für Hlawatsch das ideale Medium. „Das Verfahren bietet eine andere ästhetische Herangehensweise und eine andere Charakterzeichnung. Es ist eine wahrhaftige Art und Weise, Bilder zu machen.“

Info

Mehr Wissenswertes über das spezielle Foto-Verfahren gibt es im Video (vimeo.com/fuchsteufelbild/shortdoc) und der Website von Niklas Hlawatsch: www.fuchsteufelbild.de

Die Fotoserie „Crafted“ und weitere Arbeiten des Künstlers werden vom 7. Januar bis 13. Februar 2022 im Bürgermeisterhaus Essen-Werden ausgestellt. Eine Vernissage ist für den 7. Januar geplant.

 

Ausgabe 1/22

Cover Meiningers CRAFT 1/22 (Foto: Ben Fuchs Photography)

Themen der Ausgabe

TITEL_BERLINER BERG

Gesucht und gefunden: Sie treten an mit dem Prinzip „Tradition. Neugebraut“. Wollen nicht etwa das verrückteste Craftbier brauen, sondern das Pils für Berlin. Sie wollen eine Lücke schließen im Markt der Hauptstadt, ein Bindeglied sein zwischen zwei Welten. Im Mai 2021 haben Berliner Berg nach einigen Jahren der Suche ihre eigene Brauerei in Neukölln eröffnet.

TREND_HARD SELTZER

Happy Water: Vegan, wenig Alkohol und kaum Kalorien: Hard Seltzer heißt das neue Trendgetränk, das sich nach dem Hype in den USA jetzt in Deutschland etabliert. Auch hiesige Brauer sehen großes Potenzial in dieser neuen Kategorie und bescheren dem Markt vielversprechende Produkte

MARKEN_UNION BRAUEREI_UPDATE

Bremen in Wallung: Corona zum Trotz setzt die Union Brauerei auf Wachstum, will im Herbst 2022 einen weiteren Braubetrieb nebst Gastronomie in Bremen Hemelingen eröffnen – und die Brauhistorie der Hansestadt noch erlebbarer machen. Trotz Expansion wird sich die Brauerei weiterhin auf den lokalen Markt konzentrieren: „Hier gibt es für uns genug Potenzial."