Immer mehr Bierbegeisterte stellen sich zu Hause an den Kessel und kochen  ihr eigenes Süppchen. (Illustration: Katja Schiller)
Immer mehr Bierbegeisterte stellen sich zu Hause an den Kessel und kochen ihr eigenes Süppchen. (Illustration: Katja Schiller)

Brew it yourself! (6)

Das große Finale unserer Heimbrauserie steht an: Du darfst dein Bier endlich in Flaschen füllen. Dass es anschließend während der Nachgärung, der Reifezeit und der Lagerphase wieder einmal nur ums Durchhalten geht, sollte dich nicht mehr überraschen. Längere Wartezeiten gehören zum Heimbrauen einfach dazu. Aber: Deine Geduld zahlt sich aus. Versprochen.

Text: Ferdinand Laudage

Teil 6: Das Abfüllen, die Reifezeit und das Lagern von Selbstgebrautem

Der letzte Akt steht an: das Abfüllen. Wenn du dabei zu einem nützlichen kleinen Gadget, dem Abfüllröhrchen, greifst, geht das Flaschenbefüllen besonders einfach und sauber vonstatten. Mithilfe des Hahns am Gäreimer kannst du das Jungbier zwar in die zuvor mit dem Zucker versehenen Flaschen abfüllen. Komfortabler wird’s allerdings mit dem Abfüllröhrchen, weil du dann den Hahn nicht ständig neu öffnen musst.

Ein Ventil sorgt dafür, dass das Röhrchen erst Jungbier freigibt, wenn es auf dem Flaschenboden aufgesetzt wird. Verschließe die vollen Flaschen anschließend direkt mit den Bügeln. Es empfiehlt sich außerdem, die Flaschen nach dem Befüllen einmal leicht zu schütteln, damit sich der Zucker verteilt.

Next Level: Abfüllpistole

Den Hahn nicht ständig auf- und zudrehen zu müssen, erspart sehr viel Ärger und der Verlust an Jungbier ist vergleichsweise gering. Es geht aber noch besser und vor allem schneller, und zwar mit der automatischen Abfüllpistole. Über einen 9 oder 14 Millimeter dicken Silikonschlauch kann die Abfüllpistole direkt an den Hahn des Gäreimers oder auch an einen anderen Behälter mit Hahn, in den du vorher umgeschlaucht hast, angeschlossen werden. Positioniere die zu befüllenden und bereits mit der korrekten Menge Zucker bestückten Flaschen in einer Bierkiste einfach unterhalb deines Jungbier-Behälters, öffne den Hahn und stecke den „Lauf“ der Pistole komplett bis zur gummierten Fläche in die Flasche.

Den Überlaufschlauch, der sich ebenfalls an der Pistole befindet, lässt du einfach in eine andere Flasche gleiten. Und schon kannʼs losgehen: Betätige nun den Druckknopf an der Pistole und lasse das Jungbier in die Flaschen laufen. Das passiert relativ schaumarm und schnell. Wenn die Flasche voll ist, läuft das endvergorene Bier über den Überlaufschlauch schon in die nächste Flasche. Es wird also nichts verschwendet. Mit dieser Füllhilfe sind 20 Halbliterflaschen im Nu, also in gut 2 bis 3 Minuten, befüllt.

Hände hoch: Mit der automatischen Abfüllpistole gelingt das Abfüllen besser und vor allem schneller. (Illustration: Katja Schiller)
Hände hoch: Mit der automatischen Abfüllpistole gelingt das Abfüllen besser und vor allem schneller. (Illustration: Katja Schiller)
Tipp: Etiketten leicht geklebt

Das Auge trinkt mit: Eine schöne Flasche Bier wird mit einem Etikett noch viel schöner. Im Netz findest du auf der Webseite www.beerlabelizer.com einen Anbieter, der dich kostenfrei Designs entwerfen lässt. Die ausgedruckten Etiketten kannst du später am besten mit fettarmer Milch aufkleben. Und keine Sorge, wenn du die Flaschen nicht ewig enormer Sonneneinstrahlung und großer Hitze aussetzt, schimmelt da auch nichts.

Die nächste Geduldsprobe: Nachgärung

Während der Nachgärung sollten die befüllten Flaschen noch mindestens eine Woche in einem Raum mit etwa 20 °C Umgebungstemperatur gelagert werden, damit die Hefe ihre Arbeit korrekt verrichten kann und die nötige Kohlensäure entsteht. Anschließend steht für dich die erste Verkostung deines Selbstgebrauten an. Allerdings sollte es vorerst bei einer Flasche bleiben. Direkt nach der Nachgärung schmeckt dein Bier nämlich noch nicht ansatzweise so gut wie nach 4 bis 6 Wochen Lagerung im Kühlen.

Nochmal über einen Monat warten? Ich kann deine Empörung verstehen, dich aber auch ein wenig beruhigen. Es ist absolut sinnvoll, jedes Wochenende eine weitere Flasche zu probieren. Damit lernst du dein Bier besser kennen und weißt, wie es sich über die Wochen weiterentwickelt. Spätestens dann wirst du auch verstehen, dass sich beim Brauen deines eigenen Craftbiers Geduld wirklich auszahlt.

Wie du Bier lagern solltest

Bier versteht sich oft als Frischeprodukt. Die beliebtesten Sorten in Deutschland, Pils, Helles oder Weizen, sollten möglichst frisch getrunken und nicht lange gelagert werden. Denn über die Zeit bauen sich die Aromen ab.

Leider ist es mittlerweile gang und gäbe, dass industrielle Brauerzeugnisse eine Mindesthaltbarkeit von einem Jahr und mehr aufweisen. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass die gekauften Biere filtriert und pasteurisiert sind. Das Ergebnis ist ein wenig aromatisches Endprodukt, das der Standardbiertrinker aber mittlerweile einfach in dieser Form gewohnt ist.

Wir Heim- und Hobbybrauer hingegen genießen die Geschmacksvielfalt unserer selbstgebrauten Biere und möchten deren besondere Aromatik möglichst lange bewahren. Doch wie stellen wir das am besten an?

Der wichtigste Schlüssel zum Erhalt von Aroma ist die korrekte Lagerung. Kühl und dunkel sollte es sein. Kühl bedeutet: so kühl wie möglich. Wenn du einen leeren Kühlschrank hast, nutze ihn. Wenn du mit einem kühlen Keller vorliebnehmen musst, wirst du allerdings auch noch lange Spaß am Selbstgebrauten haben. Das ist immer noch besser, als die Flaschen einfach nur in der Vorratskammer aufzubewahren und bei Bedarf mal ein Fläschchen in den Kühlschrank zu legen.

Dunkel sollte dein Lagerraum zudem sein, vor allem dann, wenn du nicht in braune, ausreichend lichtabsorbierende Flaschen abgefüllt hast. Denn der Hopfen im Bier ist immens lichtempfindlich. Zu viel Licht führt zum Lichtgeschmack, der dem Bier ein ranziges, muffiges Aroma gibt. Solch ein Stinktier aus der Flasche wünscht sich wirklich kein Heimbrauer.

Wenn du dich an diese Regeln für die Lagerung hältst, wirst du so lange Spaß an deinem Selbstgebrauten haben, bis auch die letzte Flasche leergetrunken ist. Ein genaues Haltbarkeitsdatum gibt es für Bier nämlich nicht. Als Faustformel gilt: Je höher der Alkoholgehalt, desto länger darf das Bier reifen. Vor allem dunkle Bockbiere oder Stouts mit 8 % und mehr kannst du einlagern wie guten Rotwein. Sollte trotz allem einmal eine Flasche Selbstgebrautes nach längerer Lagerung ungenießbar sein, dann kippe den Inhalt einfach weg. Und mache dir keine Sorgen: In Bier können sich keine gesundheitsgefährdenden Keime bilden. Prost und viel Spaß beim Heimbrauen!

Häufige Fragen:

Warum schäumt mein Bier über?
Wenn du zu viel Zucker für die Nachgärung verwendet hast, kann es passieren, dass zu viel Schaum beim Einschenken entsteht. Wenn der Schaum dir bereits nach dem Öffnen der Flasche entgegenkommt, spricht man von Gushing. Dieses Phänomen ist noch nicht komplett erforscht. Es geht häufiger einher mit einer Infektion des Bieres. Wenn dein Bier also sauer schmeckt, können Milch- oder Essigsäurebakterien der Grund sein.

Warum hat mein Bier kaum Schaum?
Wenn ein Bier kaum Schaum aufweisen kann oder dieser im Glas schnell zusammenfällt, kann das mehrere Gründe haben. Die trivialste Begründung: Das Glas ist nicht richtig gespült worden. Möglicherweise liegt ein Fettfilm auf dem Glas. Es kann aber auch daran liegen, dass das Bier zu wenig Kohlensäure hat.

Warum hat mein Bier kaum Kohlensäure?
Bei zu geringer Kohlensäure im fertigen Bier ist es äußerst wahrscheinlich, dass die Nachgärung nicht korrekt durchgeführt wurde. In dem Fall solltest du die Flaschen alle noch einmal aus der Kühlung holen und für eine Woche in einem warmen Raum platzieren.

Warum schmeckt mein Bier stark nach Hefe?
Wenn dein Bier stark nach Hefe schmeckt, dann ist es noch zu jung. In diesem Fall solltest du es noch ein paar Wochen kühl lagern. Mit der Zeit wird sich der hefige Geschmack verabschieden. Dann kannst du dein Bier ausgereift genießen.

Warum schmeckt mein Bier sauer?
Milch- oder Essigsäurebakterien haben sich über dein Bier hergemacht. Vermutlich, weil du bei den letzten Schritten nicht sauber genug gearbeitet hast. Das Schlimme ist, dass du den sauren Geschmack jetzt nicht mehr rausbekommst. Das Gute könnte aber sein, dass das Bier mit einer sauren Note auch ganz lecker schmeckt. Gesundheitliche Bedenken musst du nicht haben, wenn du es noch trinken möchtest.

Ich bin dieses Wochenende nicht zum Brauen gekommen. Wie lange kann ich die Zutaten noch verwenden?
Geschrotetes Malz kannst du auch nach 4 bis 6 Wochen noch problemlos verwenden. Vorausgesetzt, du lagerst es kühl und trocken. Bei ungeschrotetem Malz sind es sogar 2 Jahre unter diesen Lagerbedingungen kein Problem. Die Hefe hat ein Haltbarkeitsdatum. Leg sie einfach in den Kühlschrank. Den Hopfen solltest du einfrieren. Dann ist er bedenkenlos ein Jahr haltbar. Wichtig ist lediglich, dass er nicht mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Dann riecht er stark käsig.

 

Equipment für Hobbybrauer gibt’s hier:

www.my-bier.de
www.braupartner.de
www.ludwigs-sudhaus.de
www.candirect.de
www.hobbybrauerversand.de
www.brauen.de

Der Autor
Ferdinand Laudage, ist PR-Schaffender und diplomierter Biersommelier, seit 2013 braut er selbst. Die Einsteigerliteratur ließ er damals links liegen und versuchte sich als Autodidakt. Sein erlangtes Wissen rund ums Selberbrauen und Biergenießen vermittelt er seit 2015 in Seminaren und Verkostungen für die Bieragentur Dortmund. Im Juni 2017 erschien sein erstes Buch „Craft-Bier einfach selber brauen“ im Verlag Eugen Ulmer, später die Folgebände „Noch mehr Craft-Bier selber brauen“ und „50 Craft-Bier-Rezepte“.

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