Duftes Duo: Barkeeper Rafael Kurella (l.) und Vollblut-Gastronom Markus Quadt (Foto: Alte Posthalterei)
Duftes Duo: Barkeeper Rafael Kurella (l.) und Vollblut-Gastronom Markus Quadt (Foto: Alte Posthalterei)

B(ier)-Promis

Sie sind das Dream-Team der Bierszene: Rafael Kurella und Markus Quadt. Für eine der erfolgreichsten Folgen ihrer digitalen Bierprobe verkauften sie nach eigener Aussage im Vorfeld 1.500 Bierpakete an die Zuschauer*innen. Bis zu 1.900 Teilnehmer*innen nahmen zu Spitzenzeiten an den Events teil. Was ist das Geheimnis ihres Erfolges? Regine Marxen hat die beiden Bier-Promis getrennt voneinander befragt.


Rafael Kurella: „Freue mich riesig, dass sich so viele Menschen mit uns verbunden fühlen“

Rafael, du bist eigentlich dem Gin zugetan. Wie ist es nach 16 Monaten, über 35 Bierproben und rund 250 Bieren um dein Verhältnis zum Bier bestellt?
Ich muss sagen: Es ist relativ gleich geblieben. Vielleicht bin ich etwas zu ehrlich geworden, wenn mir etwas nicht schmeckt. Auch wenn ich privat gar nicht so der Biertrinker bin, bin ich großer großer Fan des ZwiBis an einem Gin-reichen Abend. So zum Erden.

Berühmte Paare: Herbert Feuerstein & Harald Schmidt, Loriot und Evelyn Hamann, Waldorf & Statler… Welches Paar ähnelt euch?
Unsere Kombination ist schon schwierig. Zwei starke Charakterköpfe, die eigentlich wenig Schnittflächen haben, aber dann irgendwie doch. Wenn ich uns beide einzeln betrachte, denke ich bei Markus an einen „hart, aber herzlichen Lausbuben“. So 'ne Mischung aus Michel aus Lönneberga und Christian Ulmen. Ich sehe bei mir 'ne Mischung aus Kurt Krömer und Katharina Thalbach. Das in Kombination gleicht eher einer Talkshow, aber an ein Paar muss ich nicht denken…

Die Bierprobe: Wie habt ihr euch auf die einzelnen Folgen vorbereitet?
Die Vorbereitung der Biere oblag Markus. Das inhaltliche und die Ausstattungen durfte ich dann übernehmen und einen groben Fahrplan aufstellen, weil ich ja „irgendwas mit Theater“ mache. Nach einem festen Skript können wir beide aber nicht fahren – dafür kommen uns zu viele Gedanken und Gags in den Kopf, die wir dann selbstverständlich laut aussprechen müssen.

Wenn Markus ein Bier wäre, welches wäre es?
Ein (naturtrübes) Helles. Trendbewusst, unkompliziert und einfach.

Die digitale Bierprobe war ein echter Erfolg. Wie sehr hat dich das überrascht?
Mich überrascht der Nachklang der Bierproben am meisten. Es kommen jedes Wochenende Menschen aus ganz Deutschland vorbei und möchten Fotos machen oder tatsächlich auch Autogramme haben. Die Dimensionen und die Reichweite, die wir geschaffen haben, sind für mich vollkommen abstrakt. Überhaupt nicht greifbar  – aber ich freue mich riesig, dass sich so viele Menschen mit uns verbunden fühlen. Auch bei den Zuschauenden untereinander – ich glaube man nennt es Community – haben sich Freundschaften entwickelt und es wurde teilweise zum Selbstläufer. Wie ein abendlicher Spaziergang, bei dem man seine Nachbarn trifft und einfach mal hallo sagt.


Zur Person
Rafael Kurella (27) hat es 2013 nach Lingen verschlagen. Damals noch unwissend, dass er zu jenen gehören sollte, die Lingen auf die nationale Bierkarte bringen sollten, studierte er dort erst einmal Theaterpädagogik, arbeitete parallel in der Bar Butchers, die ebenfalls Markus Quadt gehört. 2016 wurde er dort Barmanager. 2021 stehen die Zeichen auf Wandel: Rafael startet im September als Gastgeber im Chug Club.

Können gemeinsam so viel lachen, dass sogar Beschwerde-Mails eintrudeln: Raffi (l.) und Markus (Foto: Alte Posthalterei)
Können gemeinsam so viel lachen, dass sogar Beschwerde-Mails eintrudeln: Raffi (l.) und Markus (Foto: Alte Posthalterei)

Markus Quadt: „Wir mögen uns gerne für nicht so wichtig nehmen“

Markus, wie ist es nach 16 Monaten, über 35 Bierproben und rund 250 Bieren um dein Verhältnis zum Bier bestellt?
Bier war schon immer eine Leidenschaft, die sich in den letzten sieben Jahren immer mehr intensiviert hat. Dass Bier uns eines Tages „vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit“ retten wird, hätte ich nicht gedacht. Man kann sagen, dass das Bier unsere Mannschaft durch die Zeit gebracht hat. Verrückt.

Berühmte Paare: Herbert Feuerstein & Harald Schmidt, Loriot und Evelyn Hamann, Waldorf & Statler… Welches Paar ähnelt euch?
Ich finde Vergleiche mit solchen prominenten Menschen etwas vermessen. Vielleicht sollten wir eher an Ernie & Bert denken (lacht). Wir mögen uns gerne für nicht so wichtig nehmen.

Wenn Rafael ein Bier wäre, dann wäre er ein…
Der Bierstil ist nicht entscheidend. Es wird ein wunderbar frisches, überraschendes, stilvolles, verlässliches und gut harmonierendes Bier sein – das Ganze in einer knallbunten neonfarbenen Dose.

Hast Du eine Lieblingsfolge?
Wir hatten zwei oder drei Proben, wo wir alle irgendwie vorher schon kaputt waren und eher mit der Einstellung „Wie soll das heute nur werden“ reingegangen sind. Das waren die mit Abstand besten Proben – wir haben teilweise so viel gelacht, dass es ein paar Beschwerde-Mails gab, dass wir zu albern wären. Das stimmt übrigens.

Wer war noch am Erfolg der Bierprobe beteiligt?
Meine ganze Mannschaft, jeder und jede hat mit angepackt. Kartons falten, Bier schleppen, ausliefern, Studio aufbauen, und und und. Ich bin unfassbar stolz auf alle.

Wäre das Format dauerhaft reproduzierbar – als eine Art regelmäßige Samstagabend-Show?
Auf gar keinen Fall. Wir sind angetreten, um Menschen zu treffen – live und vor Ort. Wir wollten gemeinsam sehen, hören, riechen und natürlich schmecken. Wir wollten gemeinsam über die Biere philosophieren, die Speisen mit den richtigen Bieren zusammenbringen und miteinander lachen. Was allerdings absolut vorstellbar ist, dass wir ein oder zweimal im Jahr eine kleine digitale Sonder-Bierprobe anbieten.

Du schaust in 10 Jahren auf das letzte Jahr und die digitalen Bierproben zurück. Was fällt Dir als erstes ein?
Womit habe ich nur so eine gute Mannschaft verdient?!


Zur Person
Markus Quadt (41) ist Vollblut-Gastronom. In Lingen leitet er gleich mehrere Läden: das Butchers, die Sieben und die Alte Posthalterei. Vor sieben Jahren gründete er mit der Lingener Bierkultur ein eigenes jährliches Bierfestival. Sein Engagement in Corona-Zeiten brachte ihm 2020 den Mutmacha-Preis des Leader Clubs und reichlich mediale Aufmerksamkeit ein. Die Lingener Bierprobe schaffte es 2020 sogar in die Süddeutsche Zeitung.



TIPP: Mehr über und von Markus Quadt hört ihr im Bierpodcast HHopcast von Regine Marxen und Stefan Endrigkeit, Folge 41, www.hhopcast.de

Ausgabe 1/22

Cover Meiningers CRAFT 1/22 (Foto: Ben Fuchs Photography)

Themen der Ausgabe

TITEL_BERLINER BERG

Gesucht und gefunden: Sie treten an mit dem Prinzip „Tradition. Neugebraut“. Wollen nicht etwa das verrückteste Craftbier brauen, sondern das Pils für Berlin. Sie wollen eine Lücke schließen im Markt der Hauptstadt, ein Bindeglied sein zwischen zwei Welten. Im Mai 2021 haben Berliner Berg nach einigen Jahren der Suche ihre eigene Brauerei in Neukölln eröffnet.

TREND_HARD SELTZER

Happy Water: Vegan, wenig Alkohol und kaum Kalorien: Hard Seltzer heißt das neue Trendgetränk, das sich nach dem Hype in den USA jetzt in Deutschland etabliert. Auch hiesige Brauer sehen großes Potenzial in dieser neuen Kategorie und bescheren dem Markt vielversprechende Produkte

MARKEN_UNION BRAUEREI_UPDATE

Bremen in Wallung: Corona zum Trotz setzt die Union Brauerei auf Wachstum, will im Herbst 2022 einen weiteren Braubetrieb nebst Gastronomie in Bremen Hemelingen eröffnen – und die Brauhistorie der Hansestadt noch erlebbarer machen. Trotz Expansion wird sich die Brauerei weiterhin auf den lokalen Markt konzentrieren: „Hier gibt es für uns genug Potenzial."

Newsletter Werbung - AdSlider - Craft