Plädoyer für das Weißbier (Foto: AdobeStock)
Plädoyer für das Weißbier (Foto: AdobeStock)

4 Gründe für das Weißbier

Während das Helle als coole, urbane und zeitgemäße Biersorte gerade einen Höhenflug erlebt, haftet dem Weißbier zunehmend ein altbackener Charakter an. Doch im Corona-Jahr 2020 konnte sich das Weißbier überraschend stabilisieren, Nielsen weist ein Absatzplus (im Handel) von 5,3 % aus, der Marktanteil liegt aktuell bei 6,5 %. Momentaufnahme oder Trendumkehr? Fest steht: Das Weißbier hat einige Skills, die in Zukunft wieder stärker an Gewicht gewinnen und zu wiedererwachender Popularität beitragen könnten. Hier kommen 4 gute Gründe für das Weißbier.

1 Die regionale Verwurzelung

Die Zeiten, in denen es en vogue war, selbst als nordfriesische Brauerei ein bayrisches Weißbier im Portfolio zu führen, scheinen erst einmal vorbei. Auf den ersten Blick ein klarer Fall von Trendverlust, auf den zweiten Blick eröffnet diese Entwicklung aber auch die Chance zur Repositionierung. Zurück in die Heimat, zurück zu den Wurzeln – diese Richtung wiederum passt eigentlich bestens in die heutige Zeit, in der klare Kante und ein ausgeprägter Charakter mehr wiegen als Austauschbarkeit und Neutralität. Die starken Assoziationen, die Weißbier weckt – Authentizität und Eigenständigkeit – sind im aktuellen Biermarkt, der nur selten Emotionen entfacht, viel wert.

2 Die Vielfalt

Weißbier als eine Biersorte zu bezeichnen, ist hoffnungslos untertrieben. Die Kategorie, zu der alle Biere mit mindestens 50 Prozent Weizenmalzanteil gehören, öffnet die Tür zu einer Vielzahl an verschiedenen Stilen. Vom alkoholfreien Weißbier über das klassische Hefe-Weißbier und sommerliche Varianten mit reduziertem Alkoholgehalt bis zum dunklen Weizendoppelbock ist alles dabei. Diese Bandbreite ermöglicht es Gastronomen, mit verschiedenen Weißbieren – saisonal angepasst – durch das Jahr zu führen.

3 Der Alkoholfrei-Bonus

Der aktuelle Boom alkoholfreier Biere hat seine Wurzeln im Weißbierbereich. Wohl selten ist es einem Produkt derart durchschlagend gelungen, neue Akzente innerhalb einer Kategorie zu setzen und neue Zielgruppen zu erschließen wie seinerzeit dem Erdinger Alkoholfrei. Alkoholfreies Weißbier war auf einmal Erfrischer, Sportgetränk, Autofahrers Liebling… Von diesem First-Mover-Bonus profitiert heute noch die gesamte Weißbier-Landschaft, in Sachen Absatz ebenso wie bezogen auf das Image. Eine alkoholfreie Variante gehört daher längst zum Standard. Neue Varianten wie die 0,0%-Vertreter sind ebenso zu erwarten wie alkoholfreie Biermischgetränke, die zweite stabile Säule der Weißbierbrauer.

4 Die Qualität

Die bayerische Bier- und damit natürlich auch die Weißbierlandschaft ist so vielfältig und traditionell wie keine andere in Deutschland. Viele kleine und mittelständische Familienbrauereien machen seit Jahrhunderten nichts anderes, als diesen obergärigen Bierstil zu brauen und zu verfeinern. Diese Expertise macht sich in der Breite bemerkbar: Bayrisches Weißbier genießt weltweit einen exzellenten Ruf. Um diese Qualität und eine besonders aufwändige, traditionelle Herstellungsweise des Weißbiers zu betonen, haben die Brauereien Maisel, Erdinger und Schneider Weisse im September 2019 mit dem Siegel „Bayerische Edelreifung“ eine gemeinsame Qualitätsoffensive ins Leben gerufen. Im Unterschied zu Standardbrauverfahren reifen die Weißbiere, die nach den Prinzipien der Bayerischen Edelreifung entstehen, ein zweites Mal in der Flasche oder dem Fass nach. Nach der ersten Hauptgärung und Reifung werden sie mit frischer Hefe und Brauwürze veredelt, erst dann werden die Biere abgefüllt. Bei der Abfüllung wird auf die Pasteurisierung, also die Erhitzung des Biers, verzichtet. Eine echte Besonderheit, nicht nur in der weiten Welt der Weißbiere.

(Text: Benjamin Brouër)

fizzz 12/2021

Fizzz #12-2021

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