Hopfen sei laut dem Verband vermutlich die landwirtschaftliche Kultur, die am meisten unter den Preissteigerungen leide. (Foto: Pixelrohkost/adobe.stock.com)
Hopfen sei laut dem Verband vermutlich die landwirtschaftliche Kultur, die am meisten unter den Preissteigerungen leide. (Foto: Pixelrohkost/adobe.stock.com)

Schlechtes Erntejahr für Hopfen

Der Verband Deutscher Hopfenpflanzer hat seine Ernteschätzung für das aktuelle Jahr abgegeben: Demnach wird für 2022 eine Gesamtmenge von rund 37.656 Tonnen Hopfen erwartet – ein sattes Minus von 20,8 Prozent im Vergleich zum Erntejahr 2021. Mit Abstand größtes Anbaugebiet ist dabei die Hallertau, hier wurde der Ertrag auf 32.500 Tonnen geschätzt, 8.350 Tonnen weniger als vergangenes Jahr. In der Ernte 2022 seien die bestehenden Verkaufskontrakte erheblich unterliefert worden. Die geringe Erntemenge lasse bei einigen Hopfensorten höhere Preise für Spothopfen erwarten. Die Versorgung der weltweiten Brauwirtschaft sei aber trotz der geringen Ernte 2022 gesichert, weil noch Vorräte aus der guten Ernte 2021 zur Verfügung stünden.

Grund sei die extrem heiße und trockene Witterung von Juni bis August, die die Hopfenreben sehr gestresst und das Wachstum so vermindert habe. Ebenso müsse als Folge mit einem geringerem Alpha-Gehalt der Hopfen im Vergleich zum Vorjahr gerechnet werden. Zudem hätten heftige Hagelstürme Mitte Mai und Mitte Juni in der Hallertau etwa 2.000 Hektar Hopfenfläche beschädigt.

Das Jahr 2022 habe gezeigt, dass langfristig auch in Deutschland die Bewässerung der Hopfenproduktion ausgebaut werden müsse. In fast allen anderen Ländern werde bereits bewässert und der Klimawandel erfordere diesen Schritt nun zunehmend auch für die deutschen Hopfenflächen. Hier müsse in den kommenden Jahren die Hopfenindustrie zusammen mit Politik und Behörden tragbare und zukunftsfähige Systeme zur Hopfenbewässerung entwickeln. Zwar gebe es mittlerweile auch Neuzüchtungen, die mehr Hitze- und Trockenstress ertragen können und deren Erträge deshalb nicht so drastisch einbrechen, allerdings erweise sich die Brauwirtschaft hier etwas träge bei der Umstellung der Bierrezepte auf neue Sorten und nehme nur wenig dieser Hopfen ab.

Zusätzlich zu den verminderten Einnahmen seien zudem infolge des Angriffskriegs auf die Ukraine die Preise für Produktionsmittel immens gestiegen. Die Kosten der Hopfenpflanzer seien seit 2021 um 25 bis 30 Prozent in die Höhe geschossen. Vor allem Preiserhöhungen für Energie und für Verbrauchsmaterialien wie Aufleitdraht bereiteten den Hopfenpflanzern wirtschaftliche Probleme. Da die Mehrheit des Hopfen in langjährigen Verträgen für die kommenden Jahre bereits zu festgelegten Preisen verkauft ist, gestalte sich eine Erhöhung der Preise schwierig, um wenigstens einen Teil der Mehrkosten zu kompensieren.

Angesichts der unklaren Kostenentwicklung für die kommenden Jahre herrsche bei den Pflanzern große Zurückhaltung beim Abschluss neuer Verträge. Es sei ohnehin der Großteil der Ernten 2022 bis 2024 bereits verkauft, so dass die Pflanzer derzeit lieber abwarteten bis sich die Produktionskosten wieder halbwegs planen lassen und dann ein angebotener Vorvertragspreis besser zu beurteilen sei. //chs

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GZ 01-02/23

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