Die Nachfrage nach Paletten ist seit Monaten ungebrochen hoch und treiben die Mehrkosten 2021 auch bei Veltins um 1,5 Mio. Euro in die Höhe. (Foto: Veltins)
Die Nachfrage nach Paletten ist seit Monaten ungebrochen hoch und treiben die Mehrkosten 2021 auch bei Veltins um 1,5 Mio. Euro in die Höhe. (Foto: Veltins)

Brauereien überrollt von Kostenlawine

Die Kostenexplosion im Beschaffungsbereich der Brauwirtschaft geht in vielen Bereichen dramatisch in die Höhe. Allein die Holzpalette habe in der Beschaffung zu Kostensteigerungen von 150 Prozent bei Veltins geführt, melden die Sauerländer.

Wie die Brauerei berichtet, gehe jmit 40 Halbliter-Kästen jede Palette von Grevenstein aus auf den Weg in den Handel. Die hölzerne Transportbasis – seit Jahrzehnten weltweit genormt – gelte bei den Traditionsbrauern seit diesem Jahr als kostbarstes Gut. Zwar habe die 1,2 mal 0,8 Meter große Palette einen unveränderten Pfandwert von 7,50 Euro, doch die Neubeschaffung verlange in diesem Herbst nach der doppelten Summe. „Es ist eine der verrücktesten Entwicklungen innerhalb der Kostenlawine, die uns in diesem Jahr überrollt“, sagt Veltins-Technik-Geschäftsführer Peter Peschmann. Alleine hier müsse die Brauerei C. & A. Veltins bis Jahresende mehr als 1,5 Millionen Euro aufwenden. Ein Ende der Hochpreisphase für Palettenholz sei nicht in Sicht, klagt die Brauerei.

Lieferfähigkeit der Biere zu keinem Zeitpunkt gefährdet

Die Turbulenzen in der weltweiten Logistikkette machen vor der heimischen Brauwirtschaft nicht Halt. Die Euro-Palette als existenzielles Standardinstrument für den gesamten Mehrwegkreislauf ist zu einem kostspieligen Gut geworden. „Es hat nie zuvor solche Preissteigerungen und Engpässe gegeben, dennoch ist die Lieferfähigkeit von Veltins gesichert“, sagt Peter Peschmann. Die Gründe sind mehrdimensional, aber gerade deshalb so tragweitenreich. „Die Logistikabläufe sind aus dem Tritt gekommen“, sieht der Veltins-Technik-Geschäftsführer einen wesentlichen Grund für die Misere, die für zusätzlichen Kostendruck sorgt. Überdies sei Schnittholz für die Palettenherstellung zur Mangelware geworden. Im Ergebnis: Die Hersteller hätten über Monate hinweg kaum Spielräume gehabt, ihre Kunden bedarfsgerecht zu beliefern. Lieferverträge konnten zum Teil nur mit einer Laufzeit von 1 Monat abgeschlossen werden. Man lebte sozusagen von der Hand in den Mund. Zwar sei laut Veltins die Lieferfähigkeit der Biere zu keiner Zeit gefährdet, aber die Flexibilität koste seither ihren zusätzlichen Preis. Während Veltins noch vor der Pandemie einen Stückpreis von 7,30 Euro, also fast auf Höhe des Pfandsatzes von 7,50 Euro, zu Grunde legte, seien 2021 die Stückpreise auf zeitweise bis zu 20 Euro explodiert. Und das alles in nur weniger als 12 Monaten.

Kein Grund zur Entwarnung

Die Nachfrage nach neuen oder neuwertigen Paletten bleibe laut Veltins unterdessen groß. Peter Peschmann: „Mit einem solchen Anstieg der Kosten allein in diesem Beschaffungsbereich hätte niemand kalkulieren können. Jetzt müssen wir wohl für die nächsten Jahre mit Mehrkosten auf verdoppeltem Niveau rechnen.“ Grund zur Entwarnung gebe es nicht. Tatsächlich habe sich in den letzten Wochen der Preis pro Palette um die 15 Euro eingependelt, was immer noch eine Verdopplung der Kosten innerhalb von knapp einem Jahr ausmache. Auf der einen Seite sei die Nachfrage nach Bauholz so groß geworden, dass es zu einem raren Gut auf dem Weltmarkt geworden sei. Auf der anderen Seite ruckele die logistische Warenbeschaffung weltweit.

Nach Beobachtung von Veltins gebe es im logistischen Bereich auch in der Region so gut wie keine freien Lagerflächen mehr, weil verschiedenste Güter aufgrund eines weltweit gestörten Warenflusses zwischengelagert werden müssten. Dieses Puffern von Warenbeständen blockiere veritable Palettenmengen, die damit temporär nicht zur Verfügung stünden. Hinzu komme der pandemisch beschleunigte E-Commerce-Bereich, der vielerorts neue Hochregallagerkapazitäten schaffe und damit die Nachfrage nach der profanen, aber unverzichtbaren Euro-Palette weiter in die Höhe schnellen lasse. Veltins habe frühzeitig Vorkehrungen getroffen, dass man angesichts der unsicheren Zukunft gerüstet sei, beruhigt die Brauerei. Die Bestände seien nach und nach hochgefahren worden, sodass das Vollgut weiter "mit Volldampf in den Markt" geschickt werden könne. GZ/pip

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GZ 24/21

Titelseite Getränke Zeitung Nr. 24/2021 (Foto: stock.adobe.com)

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