Die Bierbranche, allen voran die  Fassbierbrauer, hoffen, dass zumindest die Außengastronomie im Mai wieder den Zapfhahn öffnen darf. (Foto: Pixabay)
Die Bierbranche, allen voran die Fassbierbrauer, hoffen, dass zumindest die Außengastronomie im Mai wieder den Zapfhahn öffnen darf. (Foto: Pixabay)

Brauer hoffen auf den Mai

Mit zunehmender Dauer des seit fast sechs Monaten bestehenden Lockdowns für das Gastgewerbe ergeben sich für die deutsche Brauwirtschaft immer gravierendere Folgen, meldet der Deutsche Brauer-Bund (DBB). Nach einer eigenen Branchenumfrage sieht laut DBB mittlerweile jede vierte Brauerei (25 Prozent) ihre Existenz gefährdet. Die Corona-Krise habe die gesamte Branche hart getroffen – Unternehmen jeder Größe meldeten massive Umsatzausfälle, Kurzarbeit und Entlassungen. Nach der aktuellen Betriebserhebung des DBB sei der Umsatz der Brauereien von Januar bis einschließlich März 2021 im Schnitt um 33 Prozent eingebrochen. Besonders schwer getroffen seien laut aktueller Stichprobe des Verbandes Brauereien mit einem hohen Gastronomieanteil. Durch den kompletten Zusammenbruch des Fassbiermarktes beklagten Betriebe Umsatzrückgänge von in der Spitze bis zu 85 Prozent.

Brauwirtschaft so massiv wie keine andere Branche vom Stillstand des Gastgewerbes betroffen

Die Umfrage mache nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes deutlich, dass die Brauwirtschaft so massiv wie keine andere Branche vom Stillstand des Gastgewerbes betroffen sei. „Einbrüche dieser Dimension hat es seit Ende des Zweiten Weltkriegs in der deutschen Brauwirtschaft nicht gegeben“, so Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes. Der Kollaps eines einzelnen Marktsegments wie jetzt bei Fassbier sei in der Geschichte der Brauwirtschaft bislang einmalig. „Nach fast sechs Monaten Dauerlockdown sind das Gastronomiegeschäft und Teile des Exports vollends zusammengebrochen, eine Erholung des Marktes ist nicht in Sicht, weil jede Perspektive fehlt. Die Umsatzverluste der Braubranche summieren sich mittlerweile auf historische Größenordnungen“, so Eichele.

In der neuen Stichprobe des Verbandes, die laut DBB nicht repräsentativ sei, aber die Bandbreite der Branche gut darstelle, gaben fast 88 Prozent der Brauereien an, sehr stark (58 Prozent) oder zumindest stark (30 Prozent) von den Schließungen und Beschränkungen des Gastgewerbes betroffen zu sein. Befragt zu einer wahrscheinlichen zeitlichen Perspektive für die Wiedereröffnung der Außengastronomie habe die überwiegende Mehrheit der Brauereien den Monat Mai als erwarteten Termin angegeben. 15 Prozent zeigten sich skeptischer und befürchten im Lichte der schleppenden Impfkampagne eine Verzögerung der Wiedereröffnung des Gastgewerbes bis mindestens Juni. 

 

Brauereien, die durch die Schließungen des Gastgewerbes betroffen sind.

 

Folgen des Lockdowns schlagen auf alle Unternehmensbereiche durch

Die Folgen des Gastro-Lockdowns und die dadurch bedingten Umsatzverluste schlügen nach Bekunden des DBB auf alle Unternehmensbereiche in den Brauereien durch. Mehr als 85 Prozent der befragten Betriebe müssten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, vor allem im Außendienst. In vier von fünf Brauereien (79 Prozent) seien aktuell anstehende und für die Zukunft wichtige Investitionen verschoben oder ganz gestrichen worden. 

Folgen der Corona-Krise für die Brauereien.

Ein knappes Drittel der Brauereien (32 Prozent) habe seit Beginn der Krise betriebsbedingte Kündigungen aussprechen müssen. Aufgrund der Folgen der Pandemie klage über ein Viertel der Brauereien (26 Prozent) über Engpässe bei der Beschaffung etwa von Flaschen, Bierkästen und Kartonagen. Andererseits seien auch Engpässe in der Produktion und bei der Belieferung des Handels mit Flaschenbier entstanden, wie 16 Prozent der Brauereien bestätigten.

Auf die Frage, welche Auswirkungen die Corona-Krise mittelfristig auf die deutsche Brauwirtschaft haben werde, zeige sich die Branche laut DBB in vielen Bereichen besorgt. Die meisten Betriebe (über 86 Prozent) befürchteten künftig höhere Steuern und Abgaben zur Konsolidierung der Staatsfinanzen. Fast 84 Prozent der befragten Brauereien rechneten mit einem Verlust zahlreicher Absatzstätten im deutschen Gastgewerbe. Immerhin 73 Prozent der Befragten würden auch für die Brauwirtschaft mit einer deutlichen Zunahme der Zahl von Betriebsaufgaben und Insolvenzen rechnen. Von einem noch stärkeren Wachstum des Online-Handels und der Lieferdienste würden 75 Prozent der Brauereien ausgehen. Positiv zu werten sei, dass von mehr als 62 Prozent der befragten Betriebe ein verstärkter Trend zu alkoholfreien bzw. alkoholarmen Bieren erwartet werde. Alkoholfreie Biere hätten laut DBB als einziges nennenswertes Segment im Krisenjahr 2020 ihren Marktanteil erhöht. Der Brauer-Bund gehe davon aus, dass der Markt für Alkoholfreie weiter nachhaltig wachsen werde.

Staatliche Hilfen nur unzureichende Unterstützung

Knapp 73 Prozent der befragten Betriebe hätten in der DBB-Umfrage angegeben, staatliche Hilfen beantragt zu haben. Die Überbrückungshilfe III hätten fast 69 Prozent der Brauereien beantragt, aber bislang nur zu knapp drei Prozent auch ausbezahlt bekommen. Kurzarbeitergeld hätten gut 64 Prozent vollständig wie beantragt erhalten – jeder fünfte Betrieb habe auch hier nur eine teilweise Zahlung erhalten. Noch schlechter sehe es bei der November- und Dezemberhilfe aus: Diese hätten nur knapp 44 Prozent bzw. gut 31 Prozent der Betriebe vollständig wie beantragt erhalten.

Mit Blick auf die bisher von Bund und Ländern ergriffenen Hilfsmaßnahmen für betroffene Unternehmen seien laut DBB 75 Prozent der Befragten zu der Einschätzung gekommen, dass die Hilfen insgesamt nicht ausreichen. Auf die Frage, welche Maßnahmen für Brauwirtschaft und Gastronomie in der Corona-Krise noch ergriffen werden sollten, hätten sich viele Brauereien für eine klare Öffnungsperspektive für Gastronomie und Veranstaltungen ausgesprochen und forderten progressive Testkonzepte. Neben dem Erlass bzw. der Senkung der Biersteuer für alle Brauereien und die Rückkehr zur früheren Biersteuermengenstaffel für kleine Betriebe werde eine Entbürokratisierung der Wirtschaftspolitik eingefordert. Bei den staatlichen Hilfen würden DBB-Angaben zufolge eine Berücksichtigung des Unternehmerlohns ebenso eingefordert wie eine Neugewichtung der Fixkosten und niedrigere Schwellen mit höheren Prozentsätzen bei der Überbrückungshilfe III. Insbesondere die Erstattung für unverkäufliches Fassbier müsse dringend verbessert werden, so die Forderung aus der Branche. Der Deutsche Brauer-Bund habe in Gesprächen mit der Bundesregierung immer wieder auf zusätzliche, wirksame Hilfen für Brauereien gedrängt. //pip

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