Zeigen sich solidarisch und besorgt zugleich: Die deutsche Getränkewirtschaft fordert mehr Sicherheit seitens der Bundespolitik, um auch für die Zukunft planen zu können. (Foto: Adobe Stock)
Zeigen sich solidarisch und besorgt zugleich: Die deutsche Getränkewirtschaft fordert mehr Sicherheit seitens der Bundespolitik, um auch für die Zukunft planen zu können. (Foto: Adobe Stock)

Getränkewirtschaft garantiert Versorgung und mahnt

Verbände der Getränkewirtschaft betonen die Bedeutung der Lieferketten für die Versorgungssicherheit und zeigen sich betroffen über den Angriff Russlands auf die Ukraine.

Die Verbände der deutschen Getränkewirtschaft äußern sich in einer gemeinsamen Erklärung bestürzt über den russischen Angriff auf die Ukraine und drücken den Menschen in der Ukraine ihre Solidarität aus.

Leider stehe zu befürchten, dass die Energieversorgung und damit die Fähigkeit zur Produktion weiter Teile der gesamten Ernährungs- und Getränkeindustrie auch hierzulande massiv gefährdet oder gestört werde, mahnt die deutsche Getränkewirtschaft. Die Getränkeproduktion in Deutschland sei in hohem Maße von Gas abhängig. Mit Blick auf systemrelevante Strukturen müssten daher geeignete Vorkehrungen getroffen werden, um einen Versorgungsengpass mit Energie ausschließen zu können. "Die Unternehmen der Ernährungswirtschaft brauchen dringend Planungssicherheit mit Blick auf die Energieverfügbarkeit – und sie brauchen verlässliche Aussagen für Krisenfall-Szenarien mit drohenden Versorgungsengpässen und eine realisierbare Perspektive, wie drastische Kostensteigerungen aufgefangen werden können", heißt es in dem offenen Brief. Hier sei der Bund in der zentralen Verantwortung, die Energieversorger in der Notfallplanung zur Sicherung der Grundversorgung zu unterstützen.

Trotz teils immenser Preissteigerungen bei Strom und Gas, Rohstoffen, Logistik und Verpackungen sowie einer zunehmenden Verknappung vieler Güter sei die Versorgung der Bevölkerung "derzeit gesichert", betonen die Verbände der deutschen Getränkewirtschaft. Um diese Versorgungssicherheit weiterhin gewährleisten zu können, müsse die Aufrechterhaltung der Lebensmittellieferketten mit höherer Priorität auf die politische Agenda, fordern die Getränkeverbände. Gerade das mittelständisch geprägte Transport- und Logistikgewerbe sowie der Getränkefachgroßhandel stehen nach der Covid-Krise abermals vor gewaltigen Herausforderungen: Die Explosion der Energie- und Kraftstoffpreise verlangt nach schnellen und wirksamen Gegenmaßnahmen der Politik. Immer mehr Unternehmen, die Deutschland tagtäglich in der Produktion und der Logistik mit ihren Flotten in der Fläche versorgen, sehen sich durch die immens gestiegenen Kosten gezwungen, Strecken nur noch eingeschränkt zu bedienen oder gar aufzugeben, mahnt die deutsche Getränkewirtschaft die Bundespolitik. 

Die hohe Abgabenlast bei den Kraftstoffpreisen gebe politischen Handlungsspielraum, den es gelte, im Rahmen des Möglichen zu nutzen, um die Auswirkungen für die Unternehmen abzufedern und deren Fortbestand zu sichern. Ebenso sei sehr zu begrüßen, wenn das Bundeskartellamt mit gebotener Priorität und Intensität dringend die Funktionsfähigkeit der Mechanismen zur Preisbildung prüfe. Überdies sei es mehr denn je Aufgabe der Politik, gemeinsam mit der Wirtschaft kurzfristige und langfristige Strategien zu entwickeln, um die Funktionsfähigkeit der Lieferketten und damit die Versorgungssicherheit in Deutschland abzusichern und zu stärken.

Deutsche Getränkeverbände zeigen sich solidarisch mit der Ukraine

Weiter lautet es in der Erklärung: "Es macht uns sprachlos und fassungslos, welch unermessliches Leid unseren Nachbarn in Europa widerfährt. Der völkerrechtswidrige Krieg Russlands gegen die Ukraine richtet sich immer gezielter und skrupelloser gegen die Zivilbevölkerung und deren Versorgung. Unsere Gedanken sind in dieser schweren Zeit natürlich bei den ukrainischen Kolleginnen und Kollegen aus der Getränkeindustrie, die in Lebensgefahr und unter schwierigsten Bedingungen versuchen, die Produktion aufrecht zu erhalten und die Bevölkerung zu versorgen. Wir unterstützen die gegen Russland verhängten Sanktionen der Bundesregierung und der Europäischen Union in vollem Umfang."

Die humanitäre Krise in der Ukraine verschärfe sich mit jedem neuen Tag. Vielerorts fehle es vor allem an Trinkwasser. Zahlreiche Unternehmen der deutschen Getränkewirtschaft seien bereits frühzeitig mit Beginn des Krieges aktiv geworden und hätten Hilfen mobilisiert – seien es Geld- oder Sach-spenden, Trinkwasser oder Abfüllbehältnisse, Logistik oder Knowhow. Darüber hinaus engagierten sich viele Unternehmen und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der direkten Unterstützung und Aufnahme geflüchteter ukrainischer Familien in Deutschland.

"Die Verbände begrüßen dieses Engagement ausdrücklich und leisten wo immer sie können Unterstützung", lautet das Versprechen. //pip

GZ 03/23

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