Ab dem 1. Januar 2022 werden weitere Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff sowie Getränkedosen mit einem Pfand von 25 Cent belegt. (Foto: Forum PET)
Ab dem 1. Januar 2022 werden weitere Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff sowie Getränkedosen mit einem Pfand von 25 Cent belegt. (Foto: Forum PET)

Erweiterte Pfandpflicht erhöht Druck auf Rezyklatpreise

Ab 2022 wird die Pfandpflicht auf Einweggetränkeverpackungen ausgeweitet. Branchenstimmen warnen jetzt schon vor steigenden Rezyklatpreisen, die kleine Hersteller unter Druck setzen werden. 

Dr. Isabell Schmidt, Geschäftsführerin vom Forum PET (IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen), warnt: „Die Nachfrage nach rezykliertem PET aus Getränkeflaschen ist in den vergangenen Jahren insbesondere außerhalb des Getränkebereichs stark gestiegen, weil international viele Unternehmen das Material aus dem deutschen Pfandsystem für ihre Produkte verwenden wollen.“ Es zeichne sich eine wachsende Materialknappheit ab, entsprechend stark würden auch die Preise für recyceltes PET steigen. In einem so angespannten Markt zusätzlich gesetzliche Verpflichtungen einzuführen, setze vor allem kleine Hersteller unter großen Druck, die mit den steigenden Rezyklatpreisen nicht mehr mithalten können. Ab 2025 müssen die Kunststoffbehälter mindestens 25 Prozent rezykliertes PET (rPET) enthalten, ab 2030 sogar mindestens 30 Prozent. „Es bestehen Bedenken, ob sie die Gesetzesquote ab dem Jahr 2025 erfüllen können“, äußert Schmidt. Darum sei die Erweiterung der Pfandpflicht ein wichtiger Schritt, um noch mehr Material im Kreislauf zu führen. Gleichzeitig sei es wichtig, auch in anderen europäischen Ländern effiziente Pfandsysteme zu etablieren, um die entsprechenden EU-Vorgaben erfüllen zu können. Zur Erinnerung: Ab 2022 werden bisherige Ausnahmen für Sekt- und Sektmischgetränke, Wein- und Weinmischgetränke, Smoothies, Frucht- und Gemüsesäfte in diesen Verpackungen entfallen. Milchhaltige Getränke werden erst 2024 ins Pfandsystem aufgenommen.

Bekenntnis zur Stärkung des Bottle-to-bottle-Kreislaufes

Ansonsten betrachtet das Forum PET die erweiterte Pfandpflicht als großen Gewinn für den Flasche-zu-Flasche-Kreislauf: Durch die Ausweitung der Pfandpflicht auf alle Getränkesparten werde nicht nur das System für die Verbraucherinnen und Verbraucher verständlicher – die Verpflichtung sei auch ein klares Bekenntnis zur Stärkung des Bottle-to-bottle-Kreislaufes. „Das deutsche Pfandsystem für PET-Einweggetränkeflaschen ermöglicht hohe Sammelquoten und ein hochwertiges Recycling in geschlossenen Wertstoffkreisläufen. Es verringert zudem effektiv das achtlose Wegwerfen und trägt somit zum Umweltschutz bei“, erklärt Schmidt. Eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) aus dem Jahr 2020 bestätige laut Schmidt diese Aussagen: 2019 habe die Recyclingquote von bepfandeten Einweg-PET-Getränkeflaschen bei 97,4 Prozent gelegen. Aufgrund der Pfandpflicht-Ausweitung werde der geschlossene Wertstoffkreislauf von PET-Getränkeflaschen gestärkt. Schmidt rechne mit zusätzlichen 44 Kilotonnen an Kunststoffmaterial, das dem Bottle-to-bottle-Recyclingkreislauf jährlich zugutekommt, ein Zugewinn von mehr als 10 Prozent.

Im Verkehr befindliche PET-Einwegverpackungen bis Juli 2022 pfandfrei

Auch der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. begrüßt die Ausweitung der Pfandpflicht. Geschäftsführer Klaus Heitlinger lobt die Möglichkeit der vorfristigen Lösung bei der Deutschen Pfandsystem GmbH: „Dank dieser Option können Getränkehersteller ihre Flaschen schon seit Mai 2021 mit einem Pfand versehen.“ Darüber hinaus befürwortet Heitlinger, dass bereits im Verkehr befindliche Getränkeverpackungen noch bis spätestens Juli 2022 pfandfrei verkauft werden dürfen. Dadurch werde Lebensmittelverschwendung verhindert. 

Bislang enthielt der Großteil der PET-Getränkeflaschen nach Angaben für sensitive Produkte Sauerstoffbarrieren. Diese wirken sich zwar positiv auf die Produktqualität aus, indem sie z.B. die Vitamine schützen und Säfte und Nektare länger haltbar machen. Gleichzeitig mindern die bisher eingesetzten Barrierestoffe aber die Recyclingfähigkeit der Verpackung. Um den Bottle-to-bottle-Kreislauf zu stärken, setzen daher immer mehr Saft- und Nektarhersteller auf alternative Lösungen, die zu 100 Prozent recyclingfähig sind. 

Deutsche Umwelthilfe fordert Nachbesserungen

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrüßt nach eigenen Angaben die Ausweitung der Pfandpflicht grundsätzlich: Dadurch landen weniger Einweg-Getränkeverpackungen in der Umwelt, die Sammelmengen werden deutlich erhöht und das Recycling gestärkt. Die DUH fordert allerdings von Bundesumweltministerin Steffi Lemke schnelle und deutliche Nachbesserungen der Pfandregelungen. Denn auch die erweiterte Einwegpfandpflicht werde nicht ausreichen, um den Trend von den derzeit marktdominanten unökologischen Einwegverpackungen hin zur gesetzlich festgelegten Mehrwegquote für Getränkeflaschen umzusteuern. Die Quote soll laut Verpackungsgesetz bei 70 Prozent liegen, tatsächlich beträgt sie aktuell lediglich rund 42 Prozent. Deshalb fordert die DUH, die Pfand-Ausnahme für Milch-Plastikflaschen schnellstmöglich zu beenden und auch auf Getränkekartons, wie jene des Marktführers Tetra Pak, das Einwegpfand in Höhe von 25 Cent einzuführen. Außerdem sei es notwendig, zusätzlich zum Pfand eine Lenkungsabgabe in Höhe von mindestens 20 Cent pro Einweg-Plastikflasche und Getränkedose zu erheben, so der Umweltverband. Nur so werden deren negativen ökologischen Auswirkungen im Preis sichtbar und auch Discounter an das Angebot von Mehrwegflaschen herangeführt.

Die erst für das Jahr 2024 vorgesehene Bepfandung von Milch und Milcherzeugnissen in Einweg-Plastikflaschen sollte dringend vorgezogen werden. Milch-Plastikflaschen lassen sich nach Einschätzung der DUH bereits heute problemlos über Rücknahmeautomaten im Handel sammeln und recyceln.

Tomra sieht sich als Gewinner

Im neuen Jahr erwartet Tomra, nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Rücknahmeautomaten, einen "deutlichen Schub für die Kreislaufwirtschaft". Mit der erweiterten Pfandpflicht werden rund 85.000 Tonnen mehr Plastik und Aluminium eingesammelt. Damit steige die Gesamtmenge der an den Automaten abgegebenen Verpackungen nach Unternehmensangaben auf rund 500.000 Tonnen. Nun haben auch Lettland, die Slowakei, Rumänien, die Türkei, Griechenland, Malta, Portugal, Irland und Schottland beschlossen, im nächsten bzw. übernächsten Jahr ein Pfand auf Plastikverpackungen einzuführen.

"Die Einführung des Pfandes in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte und inzwischen weltweit Vorbild," erklärt Volker Rehrmann, Tomra-Vorstand Recycling/Mining & Circular Economy mit Sitz in Mülheim-Kärlich. "Mit der erweiterten Pfandpflicht kommen jetzt auch neue Materialsorten in das System, die wir im nachfolgenden Recycling-Prozess ebenso gut sortieren und wieder in den Kreislauf zurückbringen werden, wie das PET der Mineralwasserflaschen." //pip

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GZ 15-16/22

Themen der Ausgabe

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Dass Poolgebinde derzeit wieder verstärkt im Fokus stehen, weiß Markus Wolff, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB), nur zu gut. Welche relevanten Entwicklungen dafür verantwortlich und wie wichtig Pools für eine nachhaltige Zukunft sind, lesen Sie im Gastkommentar auf Seite 2.

Aktuelles Interview: Rainer Geins

„Gute Wachstumsmöglichkeiten“ sieht Rainer Geins, Geschäftsführer von Getränke Geins, im Interview über die aktuellen Krisen und die Einstellung von David Messineo als Einkaufsleiter & Category Manager Wein, Sekt und Spirituose.

Titelthema: Bierpools

Pools im Wartemodus: Um beide Bierpools, GeMeMa und MPB, ist es ruhig geworden. Hinter den Kulissen wird jedoch kräftig an Kriterien und neuen Mitgliedern gearbeitet.