Geschützt vor einem Gaslieferstopp seien Gewerbebetriebe mit bis zu 1,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr, darunter Supermärkte. (Foto: Pixabay)
Geschützt vor einem Gaslieferstopp seien Gewerbebetriebe mit bis zu 1,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr, darunter Supermärkte. (Foto: Pixabay)

Gasnotlage: 6 Kriterien bis zum Lieferstopp

Im Fall eines russischen Gaslieferstopps würden sechs Kriterien über eine Abschaltung der Versorgung für die Industrie entscheiden. Dies hat der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) öffentlich gemacht.

„Wir müssen uns klar werden, dass die Gasmangellage eine echte Krise ist. Das Leben ist dann nicht mehr fröhlich und locker, und deshalb bin ich sicher, dass solche Eingriffe auf Verständnis stoßen würden“, sagte Müller der FAZ. Der Behördenchef stellte klar, dass weite Teile Deutschlands keine Rationierung zu befürchten hätten. Auf die Frage hin nach welchen Merkmalen die Behörde bei Großverbrauchern vorgehe, antwortete Müller, dass sich die Abwägungen der Bundesnetzagentur nach sechs Kriterien richten, nach denen man sich „Abschaltungen nähere“. Dazu gehörten die Dringlichkeit der Maßnahme und die Größe des Unternehmens. Auf die genannte Gruppe mit mehr als 10 Megawattstunden pro Stunde entfalle laut Müller ein Großteil des gesamten industriellen Gasverbrauchs in Deutschland. Das seien etwa 2500 Betriebe.

Ein weiterer Aspekt seien die Vorlaufzeiten, einige Firmen bräuchten mehr Zeit, um geordnet herunterzufahren. Dann gehe es um die volks- und betriebswirtschaftlichen Schäden. In der Keramik- und Glasindustrie etwa würden die Produktionsanlagen erstarren und

Klaus_Müller_Bundesnetzagentur
Klaus Müller, Präsident Bundesnetzagentur

kaputtgehen, wenn das Gas fehle, so Müller gegenüber der FAZ. Man berücksichtige auch die Kosten und die Dauer für die Wiederinbetriebnahme. Ein wichtiges Kriterium sei schließlich die Bedeutung der Versorgung für die Allgemeinheit. Das spiele zum Beispiel bei Lebensmitteln oder Medikamenten eine Rolle. Es sei leider nicht möglich, diese Kriterien in eine eindeutige Reihenfolge zu bringen, gesteht der Präsident der Bundesnetzagentur. Es gelte, bei geringstmöglichem Schaden die in der konkreten Situation schnellstmögliche Lösung zu finden. Einfach werde das nicht.

Zu den geschützten Kunden gehörten neben Feuerwehr, Krankenhäusern, Polizei, Schulen, Kitas, Gefängnissen oder Bundeswehr auch alle Privathaushalte mit einem Gasverbrauch von bis zu 10 000 Kilowattstunden Gas im Jahr: „Das deckt auch berufliche oder gewerbliche Zwecke im privaten Haushalt ab, also zum Beispiel Selbständige“, sagte Müller. Ebenfalls geschützt seien Gewerbebetriebe mit bis zu 1,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr, darunter Supermärkte. Hingegen müssten sich Freizeiteinrichtungen als Erstes auf Abschaltungen einstellen, zum Beispiel Schwimm- und Spaßbäder. //FAZ/pip

GZ 13/22

Titelseite Getränke Zeitung Nr. 13/2022 (Foto: Marco Kleebauer)

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