Die Inflation treibt die Nachfrage nach Handelsmarken im Lebensmitteleinzelhandel nach oben - zu Lasten von Marken. (Foto: Ralf - stock.adobe.com)
Die Inflation treibt die Nachfrage nach Handelsmarken im Lebensmitteleinzelhandel nach oben - zu Lasten von Marken. (Foto: Ralf - stock.adobe.com)

++Update++ Inflation: Handelsmarken boomen

Konsumenten ändern ihr Kaufverhalten bei Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs spürbar und greifen in Zeiten von steigender Inflation häufiger zu Handelsmarken. Die Getränkekategorie zeige sich hingegen durchaus resistent gegen den Trend. Dies hat die Strategieberatung Simon-Kucher & Partners mitgeteilt.

Die aktuelle Studie zeigt, dass Handelsmarken aktuell einen regelrechten Boom erleben. Kunden kauften nicht nur weniger oder günstiger, sondern griffen gezielt zu Handelsmarken. Händler stellten diese deshalb in den Fokus ihrer Kommunikation, sagt das Beratungsunternehmen. "Angesichts der hohen Inflation und gestiegenen Lebenshaltungskosten schauen mehr Konsumenten auf den Preis und weniger auf Kriterien wie (Marken-) Qualität und Nachhaltigkeit", sagt Martin Mattes, Partner im Konsumgüterbereich bei Simon-Kucher & Partners.

Über allem steht der Preis

Im Lockdown sei die Bedeutung des Preises gegenüber der Zeit vor Corona nahezu unverändert gewesen. Die Produktqualität aber habe für mehr als 70 Prozent der Befragten im Lockdown immens an Bedeutung gewonnen, stellt SKP fest. Die aktuelle Studie zeige, dass der Preis im Mittelpunkt stehe: Mehr als doppelt so viele Befragte (62 Prozent) hätten angegeben, dass nun der Preis seit der Inflation wichtiger geworden sei. Darüber hinaus habe sich der Anteil der Befragten, für die (Marken-) Qualität und Nachhaltigkeit im Lebensmittelbereich im Vergleich zum Vorjahr an Bedeutung verloren habe, vervierfacht. "Haben sich Konsumenten während des Corona-Lockdowns gerne etwas gegönnt und zu teureren Markenprodukten gegriffen, sind viele Haushalte jetzt gezwungen stärker auf den Preis zu achten, wovon Handelsmarken nun stark profitieren", ergänzt Martin Mattes.

Handelsmarken übertrumpfen Marken

Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) gebe an, überwiegend oder fast ausschließlich Handelsmarken im Lebensmittelbereich zu kaufen. Insbesondere einkommensschwache Haushalte hätten mit 66 Prozent den höchsten Anteil derjenigen, die fast ausschließlich Handelsmarken kaufen. Auch bei Getränken sei laut SKP der Anteil der Kunden, die vermehrt zu Handelsmarken griffen, in diesem Jahr gestiegen. Allerdings im Vergleich zu anderen Warengruppen auf geringem Niveau (17 Prozent bei alkoholischen , 20 Prozent bei alkoholfreien Getränken). Der Anteil Befragte, der weniger Handelsmarken kaufe, sei in beiden Kategorien in den letzten Jahren konstant – bei alkoholischen Getränken sogar auf hohem Niveau.

Ansonsten werde besonders bei Trockenprodukten sowie Obst- und Gemüsekonserven, aber auch bei Wasch- und Putzmitteln sowie Kosmetikartikeln werde verstärkt zu Handelsmarken gegriffen. "Hieraus ergeben sich klare Wachstumschancen für Handelsmarken. Gleichzeitig stehen Handelsmarkenhersteller aber weiterhin unter Druck, da die signifikanten Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Transport, Energie, Löhnen etc. auch die Handelsmarkenhersteller treffen und die Weitergabe an den Handel, angesichts oftmals geringer Margen der Hersteller, essenziell ist", erklärt Birgit Lohmann, Konsumgüterexpertin bei Simon-Kucher & Partners. Bei Genussmitteln, wie beispielsweise Snacks und Süßwaren, ist der Handelsmarkenanteil trotz Inflation hingegen stabil. //pip

GZ 24/22

Themen der Ausgabe

Gastkommentar: Peter Laux

Peter Laux, Managing Director der Messer Industriegase GmbH, erklärt, wie das Unternehmen durch alternative Verfahren unabhängiger von der Düngemittelproduktion werden will. 

Aktuelles Interview: Raymond Sahm

Raymond Sahm, geschäftsführender Gesellschafter von Rastal, sieht sein Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen. Dank einer neuen betriebswirtschaftlichen Grundlage und erheblichen Innovationen im digitalen Bereich sieht er Rastal für die Zukunft gut aufgestellt.

Titelthema: Stand CO2-Mangel

Nicht sehr prickelnd: CO2 ist weiterhin ein rares Gut. Einzig eine Erhöhung der Düngemittelproduktion scheint die Lage kitten zu können. Die EU ist dran.