Im Jahr 2020 verzeichnete der europäische LEH ein Umsatzplus von 5,3 Prozent - Deutschland sogar 7,9 Prozent (Foto: Pixabay)
Im Jahr 2020 verzeichnete der europäische LEH ein Umsatzplus von 5,3 Prozent - Deutschland sogar 7,9 Prozent (Foto: Pixabay)

Studie: Starke Umsätze im LEH durch Online-Trend in Gefahr

Nach einer Studie von Euler Hermes zum Lebensmitteleinzelhandel verzeichnet der LEH 2020 große Gewinne. Jedoch verschieben sich die Lebensmittelkäufe immer mehr ins Netz.

Die europäischen und deutschen Lebensmitteleinzelhändler gehören mit einem satten Umsatzplus im Jahr 2020 von 5,3 Prozent in Europa und sogar 7,9 Prozent in Deutschland zu den Profiteuren der Covid-19-Pandemie, heißt es in der Euler-Hermes-Studie. Allerdings hinterließe der zunehmende Anteil des Onlinehandels auch nachhaltig Spuren bei den Margen. Die Pandemie habe den Übergang zum elektronischen Handel in Europa um vier bis fünf Jahre beschleunigt, insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel. In den fünf wichtigsten Märkten liegt der E-Commerce-Anteil jetzt zwischen 3 Prozent (Deutschland, Spanien) und 11 Prozent (Großbritannien) des Lebensmittelumsatzes, hat das Kreditversicherer errechnet.

„Der Lebensmitteleinzelhandel gehört ganz eindeutig zu den Krisengewinnern“, sagt Aurélien Duthoit, Branchenexperte für den Einzelhandel bei Euler Hermes. „Mehr Mahlzeiten zu Hause und der florierende Verkauf von Haushalts- und Körperpflegeprodukten haben zu einem satten Umsatzplus in ganz Europa geführt. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn die Zunahme beim Onlinehandel drückt auf die Margen und hinterlässt einen bitteren digitalen Beigeschmack.“

Positiver Trend auch 2021 – E-Commerce holt aber auf

Die positive Entwicklung beim Umsatz setze sich auch 2021 fort, wenngleich mit der schrittweisen Wiedereröffnung von Bars und Restaurants etwas langsamer. Im ersten Halbjahr 2021 verzeichneten die europäischen Lebensmitteleinzelhändler +2,4 Prozent mehr Umsätze, die deutschen sogar +3,6 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist die Nutzung des elektronischen Handels für Lebensmittel in Europa sprunghaft angestiegen – und das dürfte sich fortsetzen, begründet Euler Hermes.

„Die Verbrauchergewohnheiten haben sich durch die Pandemie nachhaltig geändert“, sagt Duthoit. „Diese Entwicklung lässt sich nicht einfach zurückdrehen und stellt den Handel vor große Herausforderungen – auch im Lebensmitteleinzelhandel. Wir schätzen, dass jedes Prozent der Lebensmittelverkäufe, das sich ins Internet verschiebt, 13,6 Milliarden Euro Umsatz und im schlimmsten Fall bis zu 1,9 Milliarden Euro Gewinn gefährdet – das sind 4 Prozent des Gesamtgewinns in den europäischen Top-5-Märkten. Das ist eine Hausnummer in einer Branche, die nicht gerade für üppige Margen bekannt ist.“

Deutschland hinter dem internationalen Vergleich

In Deutschland ist die Durchdringung des E-Commerce nach der Studie im Lebensmitteleinzelhandel im europäischen Vergleich mit 3 Prozent relativ niedrig. In Frankreich und Großbritannien sei die Bedrohung also deutlich größer. Dennoch bestehen laut Duthoit auch in Deutschland Risiken: „Die deutschen Lebensmitteleinzelhändler sind bis dato relativ zögerlich beim Ausbau ihrer Online-Angebote, so dass sich negative Margen im E-Commerce bisher weniger stark auswirken als in anderen europäischen Märkten mit einer höheren Durchdringung.“ Die Expertin warnt: „Jedes Prozent der Einkäufe, das sich ins Internet verschiebt, gefährdet auch in Deutschland immerhin rund 2,4 Milliarden Euro an Umsätzen und Gewinne zwischen 87 und 324 Millionen Euro. Der zögerliche Ausbau des E-Commerce lässt zudem die Türen weit offen für neue Marktteilnehmer. Diese könnten künftig genau in die kaum besetzte Online-Lücke stoßen und den etablierten Marktteilnehmern das Wasser abgraben.“

Die zunehmende Verlagerung des Handels mit Lebensmitteln ins Internet stelle die etablierten Einzelhandelsunternehmen in ganz Europa vor zwei große Herausforderungen: neue Formen des Wettbewerbs und Druck auf die Rentabilität, so die Studie. //lhw

GZ 21/21

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