Es ist das erste Mal, dass JD.com ein physisches Einzelhandelsgeschäft in Europa eröffnet. (Foto: JD.com)
Es ist das erste Mal, dass JD.com ein physisches Einzelhandelsgeschäft in Europa eröffnet. (Foto: JD.com)

JD.com mischt stationären Handel auf

JD.com, einer der größten chinesischen Online-Händler, eröffnet erstmals zwei Robotik-Shops unter dem neuen Markennamen „Ochama“ in den Niederlanden, weitere Standorte sollen in Kürze folgen.

Wie JD.com in ihrem Unternehmensblog verkünden, führe das neue Shopmodell "ein noch nie dagewesenes Einkaufsformat ein, das Online-Bestell- und Abholshops und den Hauslieferdienst zusammenführe. Offensichtlich ohne großen Personaleinsatz, denn: Installierte Roboter sollen die Pakete vorbereiten, wie es heißt. Die ersten beiden Ochama-Pick-up-Shops befinden sich in Leiden und Rotterdam, zwei weitere sollen in Amsterdam (Diemen) und Utrecht eröffnet werden.

Nach Unternehmensangaben sei es das erste Mal, dass JD.com ein "physisches Einzelhandelsgeschäft in Europa" eröffne. Ochama, das eine Kombination aus Online-Bestellplattform mit stationärem Handel (Omini-Channel) als Einkaufserelbnis verbinden will, sei der erste Omni-Channel-Händler in den Niederlanden, der sowohl Food als auch Non-Food in (s)einer Shopping-App anbiete.

Das Omni-Channel-Modell ermögliche es Käufern, Produkte bequem online über die App von Ochama zu bestellen, wo eine vollständige Palette von A-Marken-Produkten angeboten werden, die frische und verpackte Lebensmittel, Haushaltsgeräte, Schönheitsprodukte, Produkte für Mutter und Kind, Mode, Heimtextilien und mehr umfasse. In welchem Umfang Getränke beim Sortimentsangebot eine Rolle spielen, gab das Unternehmen bislang nicht an.

Automatisiertes Lager

Das automatisierte Lager sei laut JD.com-Blog Teil seines futuristischen Pick-up-Shops, in dem eine Flotte von Robotern zu sehen seien, darunter automatisierte Bodenfahrzeuge, Roboterarme und mehr. Diese kommissionierten, sortierten und transportierten die Ware. Durch einfaches Scannen des QR-Codes der App an der Kasse könnten Endverbraucher zusehen, wie ihre Bestellungen im Rahmen einer kassenlosen und stressfreien Einkaufstour über das Förderband zu ihnen transportiert werden.

Mark den Butter, Chief Operation Officer von Ochama, gibt an, "dass die Geschäfte durch die vollständige Nutzung der Technologien in der Logistik und im Lieferkettenmanagement den Produktpreis zum Vorteil der Mitgliedskunden der Kette um weitere 10 Prozent senken können".

Darüber hinaus könnten die Kunden den Showroom des Abholshops besuchen, um die Produktsortimente von Ochama zu erleben, oder sie könnten auch den Lieferservice am nächsten Tag wählen, ohne zum Abholshop zu gehen.

Niederlande mit am stärksten urbanisiert in Europa

Dass die neuen Ochama-Standorte ausgerechnet in den Niederlanden eröffnet wurden, ist alles andere als zufällig geschehen: Die Niederlande seien eines der am stärksten urbanisierten Länder Europas, hat JD.com analysiert. Daten der Weltbank zeigten, dass im Jahr 2020 in den Niederlanden in Städten 92 Prozent der Bevölkerung mit einer polyzentrischen Stadtstruktur leben, was zu der Entscheidung von Ochama geführt habe, Geschäfte in vier Städten zu eröffnen.

„Die Niederländer haben eine Leidenschaft für Innovation und eine grüne Umgebung, das Einkaufsformat von Ochama soll zu beiden Aspekten beitragen“, sagte den Butter. „Es wird keine Warteschlangen und keine Staus an den Kassen geben, dafür mehr Zeit für die Hausarbeit bleiben. Ochama bündelt alle Vorteile bequem in der App und vor Ort."

Ochama liegt damit voll im Trend von automatisierten Shops, wie "Teo" von Tegut oder wie "E 24/7" von Edeka. Auch Rewe testet seit geraumer Zeit am Kölner Neumarkt das "hybride Einkaufen" in Kombination mit einer App. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die automatisierten Shop-Formate sind weniger personalintensiv, auch das Thema Öffnungszeiten könnte somit umgangen werden. Neu an dieser Entwicklung ist, dass ähnlich wie in der Auto-Industrie zunehmend Unternehmen im stationären Lebensmittelhandel mitmischen, die nicht aus aus dem klassischen Vollsortimenter-Bereich, sprich der Lebensmittelhandel stammen. //pip

GZ 01/22

Titelseite Getränke Zeitung Nr. 01-02/2022 (Fotomontage: Patrick Rubik)

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