Getränke im Lebensmitteleinzelhandel tragen zum Leidwesen der Händler kaum zur Wertschöpfung bei. (Foto: VTT Studio/stock.adobe.com)
Getränke im Lebensmitteleinzelhandel tragen zum Leidwesen der Händler kaum zur Wertschöpfung bei. (Foto: VTT Studio/stock.adobe.com)

"Im Gewand des Getränkefachmarktes"

Essen und Trinken muss jeder. Daher müsste der Verkauf von Nahrungsmitteln, insbesondere von Getränken, wirtschaftlich lukrativ sein. Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ist seit Jahrzehnten das Gegenteil der Fall. Durch den preisintensiven Verdrängungswettbewerb wirft das Geschäft rund ums Essen und Trinken laut Branchenexperten nicht mehr als eine Marge von 1 Prozent ab.

Wirft man einen Blick auf die einzelnen Lebensmittelsegmente, insbesondere Getränke, sieht die Ertragslage dort gar nicht so schlecht aus. Rund 20 Prozent und mehr sollen drin sein, sagen selbstständige Kaufleute. Leider fressen viele Kostenfaktoren den zuvor erarbeiten Profit wieder auf. Hohe Aufwendungen fürs Personal, die Entsorgung von Einweggebinden, die Sortierung von Mehrwegflaschen und zum Teil hanebüchene Kampfpreise in nachfragestarken Kategorien wie bei Bier und Mineralwasser lassen das Profilierungsinstrument zum Frequenzbringer verkommen.

Dass ausgerechnet die Edeka Rhein-Ruhr als Lebensmitteleinzelhändler nun zum Heilsbringer werden könnte, ist bemerkenswert. Zum einen, weil die Genossen von Glück reden können, seit 2011 Inhaber der lukrativen Getränkefachmarktkette Trinkgut zu sein. Zum anderen zeigt es wieder mal, dass die Selbstständigen wissen, wie man erfolgreich mit Lebensmitteln Erträge erzielen kann. Sie sind es nämlich, die das Franchisekonzept von Trinkgut so erfolgreich machen.

Dass das Erfolgsrezept Trinkgut vor einem Jahr auf die Edeka-Region Südwest ausgerollt wurde und nun ebenso auf die Region Südbayern ausgedehnt werden soll, ist daher nur folgerichtig und ein kluger Schachzug. Nun tritt der LEH im Gewand des Getränkefachmarktes an, lukrativer zu werden.

Pierre Pfeiffer
[email protected]

GZ 19/22

Themen der Ausgabe

Aktuelles Interview: Jens Gardthausen

„Alles richtig gemacht!“ hat Jens Gardthausen, der im September 2021 - mitten in der Corona-Pandemie - die neue Position als Geschäftsführer bei der Rotkäppchen-Mumm-Tochter Eggers & Franke angetreten hat. Ein Jahr später zieht er für uns im Interview Bilanz.

Titelthema: Getränke im LEH

Getränke im Lebensmitteleinzelhandel zählen zu den Profilierungsinstrumenten, tragen aber kaum zur Wertschöpfung bei. Zahlreiche Kostenfaktoren lassen die Kategorie mühselig werden. Doch ein Getränkefachmarktkonzept soll Abhilfe schaffen.

Marktreport: Liköre

Bestseller im Spirituosenregal: Es sieht gut aus fürs Likörsegment: Sowohl umsatz- als auch absatzseitig konnte die Kategorie im vergangenen Jahr zulegen. Kein Grund, sich nun auszuruhen: Für die Herbst-/Wintersaison stehen die Hersteller bereits mit innovativen Konzepten in den Startlöchern, um weitere Wachstumsreserven auszuschöpfen. Das trifft sich gut, denn gerade junge Konsumenten zeigen sich zunehmend probier- und experimentierfreudig.